aus Wikipedia, der freien
Enzyklopädie
Zucker (indogermanisch
sarkara = Kieselsteine, Gemahlenes;
persisch schekkar) ist
Nahrungsmittel und gleichzeitig
Genussmittel. Genau genommen handelt es sich bei
Zucker um eine Gruppe von Substanzen, wobei dieser
Artikel die im
Haushalt bekannte
Saccharose behandelt. Der Energiegehalt von
Zucker beträgt pro Gramm Zucker 16.8 kJ (zum
Vergleich Alkohol liefert 29.8 kJ).
Zuckererzeugung
Hauptquellen sind
Zuckerrohr (Anbau in den Tropen) und
Zuckerrübe (Anbau in gemäßigten Breiten, z.B.
Mitteleuropa). Die
Saccharose ist als Substanz direkt in diesen
Anbaufrüchten enthalten und wird durch
Herausauslösen oder -kochen oder -pressen in
wässriger Lösung extrahiert und beim weiteren
Einkochen als Kristalle ausgefällt. Je nach
gewünschtem Reinheitsgrad wird der Zucker wiederholt
umgefällt und gereinigt.
Eine allgemeinere Behandlung, die auch die
chemischen Eigenschaften enthält, findet sich im
Artikel
Kohlenhydrate. Pflanzenarten, die für
die Gewinnung von Zucker verwendet werden, finden
sich im Artikel
Nutzpflanzen.
Kulturgeschichte des Zuckers
- 6.000 v. Chr. -
Zuckerrohr gelangt von
Ostasien nach
Indien und
Persien
- 600 v. Chr. - Zuckergewinnung in
Persien: heißer
Zuckerrohrsaft
wird in
Holz- oder
Tonkegel
gefüllt, in der Spitze kristallisiert der Zucker,
es entsteht der Zuckerhut
- 1100 n. Chr. - Mit den
Kreuzfahrern gelangt Zucker erstmalig nach
Europa
- Ab ca. 1500 - Zuckerrohr wird weltweit auf
Plantagen angebaut, Zucker bleibt ein
begehrtes Luxusgut für die Reichen. Es wird als
Weißes Gold bezeichnet.
-
1747 -
Andreas Sigismund Marggraf entdeckt den
Zuckergehalt der
Runkelrübe.
-
1801 - Der
Chemiker
Franz Carl Achard schafft die Grundlagen der
industriellen Zuckerproduktion. Die erste Rübenzuckerfabrik
der Welt entsteht in
Cunern/Schlesien.
-
1840 - Erster Würfelzucker der Welt, erfunden
von
Jakob Christian Rad (Direktor der
Datschitzer
Zuckerraffinerie in Böhmen) war mit roter
Lebensmittelfarbe eingefärbt, weil Juliane Rad
(seine Frau) sich beim Herausbrechen aus den
vorher üblichen Zuckerhüten den Finger verletzt
hatte und ihren Mann daraufhin bat, gleich
kleinere Zucker-Portionen herzustellen. Er erfand
die Zuckerwürfelpresse, stellte die ersten
Würfelzucker her und schenkte die ersten, rot
gefärbt, seiner Frau zur Erinnerung an den
Vorfall. Frau Rad hatte die blutgetränkten
Zuckerstücke dennoch ihren Gästen angeboten, da
Zucker damals sehr wertvoll war.
- Ab ca. 1850 - Der Zuckerpreis fällt durch die
beginnende industrielle Herstellung. Damit
entwickelt sich Zucker zum Gegenstand des
täglichen Bedarfs, siehe hierzu auch Abschnitt:
Beginn der Industriellen Herstellung von Zucker
aus der Rübe.
Zuckersorten
Da im Folgenden öfters von Raffinade
gesprochen wird, sei hiermit angemerkt, dass es sich
dabei um gemahlenen und durch
Raffination gereinigten, weißen Zucker handelt.
- Basterdzucker: fein
kristallin, zur Herstellung von
Backwaren, feucht, krümelig, inverthaltig.
- Brauner Zucker: grob auskristallisiert,
Zwischenprodukt bei der Zuckerherstellung.
Anhaftender Sirup verleiht dem Zucker Färbung und
klebrige feuchte Konsistenz.
- Dekorierzucker: feinster
Puderzucker und Reisstärke, zur Dekoration von
Gebäck, da auf warmem Gebäck nicht schmelzend.
- Demerara-Zucker: Weißer Rohrzucker, der mit
Melasse versetzt ist. Er bildet ein großes,
leicht klebriges, blaßbraunes Kristall. Er wird
häufig zu Kaffee serviert und auch bei der
Herstellung von
Gebäck und
Süßigkeiten verwendet.
- Einmachzucker: meist aus einfachem Weisszucker
hergestellt, enthält jedoch häufig als Zusatz
Pektin, um das Gelieren der Früchte zu
beschleunigen.
- Farin: Feiner, mehlartiger Zucker, durch
Zufügen von Sirup braun gefärbt.
- Flüssiger Zucker: häufig in
Nahrungsmittelindustrie angewandt; aus
konzentrierter Zuckerlösung.
-
Fondant: gerührte Masse aus gekochtem Zucker,
für die Zubereitung von Gebäck, Pralinen und
Konfekt.
- Gelierzucker: für
Konfitüren,
Gelees und
Marmeladen; aus Raffinade mit
Pektin,
Zitronensäure oder
Weinsäure als
Geliermittel.
- Hagelzucker: sieht aus wie kleine Hagelkörner,
zum Verzieren von Gebäck; aus Raffinade durch
Zusammenwachsen feiner Kristalle.
- Instantzucker: Rasch lösliche Raffinade,
besitzt bei gleicher Süßkraft doppeltes Volumen.
- Invertzucker: Durch Hydrolyse (Inversion) von
Saccharose entstandenes Gemisch, halb aus
Traubenzucker, halb aus Fruchtzucker.
- Isoglucose: (auch "Corn Sirup", "Maissirup",
"Maiszucker"), in Getränken und Obstkonserven
verwendet, dem Invertzucker verwandt. Vorwiegend
aus
Maisstärke hergestellt.
- Kandisfarin: Brauner Kandis mit kleinerer
Kristallgröße. Geringere Reinheit als Kandis.
- Kandiszucker: Zuckerkristalle von
unterschiedlicher Größe und Farbe; entsteht durch
langsames Auskristallisieren reiner Zuckerlösung.
Um braunen Kandis zu erhalten, wird
karamellisierter Zucker zugefügt; gleiche Süßkraft
wie Raffinade.
-
Karamell: Durch Erhitzen von Traubenzucker
oder Rohrzucker auf 150 bis 180°C entstehende
braune Masse, die nicht kristallisiert.
-
Maltose/Malzzucker:
Aus Stärke gewonnener Zucker, der bei der
Produktion von
Alkohol zum Einsatz kommt.
-
Melasse: als dunkelbrauner Sirup verbleibender
"Produktionsrest" der Zuckerherstellung; als
Viehfutter verwertet. Melasse aus Zuckerrohr dient
der Rumherstellung.
-
Milchzucker: ("Laktose", Sandzucker") in der
Milch vorkommend, besteht aus Glukose und
Galaktose. In der Pharmakologie häufig als
Grundlage für Tabletten dienend.
- Pilézucker: Weißzucker aus Zuckerplatten in
Stücke zerschlagen.
- Puderzucker: fein gemahlene Raffinade; bei der
Herstellung von Zuckerglasuren und beim Backen von
Makronen verwandt.
- Raffinade: meist gebrauchter weißer
Haushaltszucker, aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben
hergestellt. Besteht zu 99,9 Prozent aus
Saccharose, muss besonderen
Reinheitsanforderungen entsprechen, in
verschiedener Körnigkeit hergestellt (z.B.:
Kristallzucker)
- Raffinose: nicht
süß schmeckender Zucker, kommt in vielen
Pflanzen vor. Tritt häufig als Verunreinigung im
Haushaltszucker auf.
-
Rohrzucker: Zucker, aus
Zuckerrohr hergestellt; gleichbedeutend mit
Saccharose. Rohrzucker wird häufig im Erzeugerland
als Rohzucker abgegeben und in speziellen
Zuckerraffinerien aufgelöst, erneut kristallisiert
(=raffiniert) und je nach dem Bedarf des lokalen
Marktes in verschiedenen Sorten an die Verbraucher
abgegeben. Vollrohrzucker ist eingedickter
und getrockneter Zuckerrohrsaft ohne weitere
Verarbeitung. Er besteht zu 95 Prozent aus
Saccharose und anderen Zuckerarten, enthält aber
auch Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine.
- Sirup: Ahornsirup, Rübensirup, Birnendicksaft
u. a. Sirupe durch mehrmaliges Kochen des Saftes
hergestellt. Hoher Zuckeranteil: (Ahornsirup 65 %,
Rübensirup 62 %, Birnendicksaft 78 %).
- Stärkezucker: alle aus
Stärke (z.B. Maisstärke) hergestellten
Zuckerarten, u.a.: Isoglukose, Stärkesirup,
Glukosesirup, Fruktosesirup, Maltodextrin; in der
Industrie zunehmend verbreitet, häufige
Alternative zur Raffinade.
-
Traubenzucker aus
Weintrauben hergestellt besteht hauptsächlich
aus
Dextrose
- Vanillezucker: Feiner weißer Zucker mit echtem
Vanillemark gemischt.
- Vanillinzucker: Statt echter Vanille wird
Vanillin-Aroma mit feinem weißem Zucker
vermischt.
- Weißzucker: auch "Grundsorte", Vorform der
Raffinade.
- Würfelzucker: angefeuchtete Raffinade zu
Würfeln gepresst, anschließend wieder getrocknet.
- Zuckeralkohole: als
Zuckeraustauschstoffe verwendet. Zuckerabbau
bei Verdauung langsamer, als normaler Zucker.
Bedeutsam für
Diabetiker z.B.
Sorbit,
Xylit und
Mannit.
-
Zuckerkulör: Lösung aus
Karamell, zum Färben von Speisen verwendet.
Physiologische und gesundheitliche Aspekte
Zucker in der Nahrung wird, anders als Stärke,
die erst durch Verdauung in Zucker umgewandelt
werden muss, sehr schnell von der
Darmwand aufgenommen und ans
Blut abgegeben. Er erhöht daher kurzfristig den
Blutzuckerspiegel und regt die Insulinausschüttung
an. Durch das
Insulin wird auch die Aufnahmefähigkeit des
Gehirns für
Tryptophan aus dem Nahrungseiweiß gefördert, wo
es in das
Hormon
Serotonin umgewandelt wird, das eine
stimmungsaufhellende Wirkung besitzt. Der Körper
wird also für den Verzehr süßer Nahrung doppelt
belohnt: durch einen "Energieschub" und "gute
Laune". Diese Effekte halten allerdings nicht lange
an, da der erhöhte Blutzuckerspiegel schnell wieder
abgebaut wird. Bei stärkehaltigen Nahrungsmitteln
wird der Zucker dagegen, durch den Verdauungsprozess
verzögert, gleichmäßiger ans Blut abgegeben.
Anders als der Name vermuten lassen könnte, wird
die
Zuckerkrankheit nicht durch Zuckerkonsum
verursacht. Sie beruht nach heutigem Wissensstand
entweder auf einer
Autoimmunreaktion, die die
Bauchspeicheldrüse schädigt (Typ 1) oder auf
einer genetischen Disposition zur
Insulinresistenz (Typ 2), die besonders durch
Übergewicht und Bewegungsmangel zum Tragen kommen
kann, und deren Folge eine Zuckerunverträglichkeit
ist.
Zucker in der (vor allem festen) Nahrung ist von
großer Bedeutung für die Entstehung von
Zahnkaries, da im Mundraum lebende
Streptokokken überschüssigen Zucker in Säuren
umwandeln, die Mineralien aus dem
Zahnschmelz lösen und ihn so schädigen.
In der
Alternativmedizin wird Zucker - besonders als
Raffinade, also fast reine Saccharose - mit
verantwortlich gemacht für eine Beeinflussung des
körpereigenen
Säure-Basen-Haushalts in Richtung eines
geringeren
pH-Werts, einer Übersäuerung. Sie gilt in der
Naturheilkunde als mitverantwortlich für
verschiedene Erkrankungen wie
Rheuma,
Migräne,
Schlaganfall und
Herzinfarkt, teilweise auch für
Krebs. Als Indiz für eine Übersäuerung des
Körpers gilt dabei der pH-Wert des
Urins. Rückschlüsse vom Säuregehalt des Urins
auf den des Körpers sind allerdings
ernährungsmedizinisch nicht anerkannt, ebenso
konnten Zusammenhänge zwischen Säure-Basen-Status
und den genannten Krankheiten bisher nicht
wissenschaftlich belegt werden.
Durch die Isolierung des Zuckers von den
restlichen Bestandteilen der zur Zuckerherstellung
genutzten Pflanzen, wird auch von "isolierten
Kohlenhydraten" gesprochen. Da der Körper zur
Verarbeitung dieser
Kohlenhydrate die gleichen oder ähnliche Stoffe
und Spurenelemente braucht wie sie in den
Zuckerpflanzen enthalten sind, gibt es in
Bioläden und
Reformhäusern den so genannten braunen Zucker.
Dieser Zucker ist nicht so intensiv von den
ursprünglich mit ihm in Verbindung stehenden
Substanzen isoliert wie der weiße Zucker.
Übermäßiger Verzehr von isolierten Kohlehydraten
kann zu schweren Mangelerscheinungen führen, da der
Körper zur Verwertung
Kalzium,
Spurenelemente und
Vitamine braucht. Diese werden den
Körperreserven (auch Knochen und Zähnen) entzogen,
wenn nicht, auch aus anderen Quellen, genügend davon
über die Nahrung zugeführt wird.
Allgemein wird empfohlen, Zucker bzw.
zuckerhaltige Lebensmittel nur in Maßen zu
konsumieren um eine ausgewogene Ernährung zu
gewährleisten.
Beginn der Industriellen Herstellung von Zucker
aus der Rübe
Andreas Sigismund Marggraf hatte
1747 nachgeweisen, dass im Rübensaft Zucker
enthalten ist. Die Fabrikationsverfahren, die sein
Schüler
Franz Karl Achard um
1800 entwickelte, führten
1825 zur Entstehung der Rübenzuckerindustrie,
die bereits Ende des
19. Jahrhunderts im Weltmaßstab ebensoviel
Zucker erzeugte wie die traditionelle
Rohrzuckerindustrie.
Der Landwirtschaft war es gelungen,
Rüben mit hohem Zuckergehalt zu
züchten. Ganze Landstriche, wie die
Magdeburger Börde, stellten sich auf den Anbau
von Rüben ein. Diese Monokulturen, die viel
Dünger benötigten, stimulierten ihrerseits die
Entwicklung der Düngemittelindustrie.
Viele Chemiker und Techniker machten, mit
Rationalisierung und Automatisierung, trotz der
saisonbedingten relativ geringen Auslastung der
Fabriken (der so genannten
Kampagne) die Rübenzuckerindustrie rentabel. Zu
den Pionieren der Rübenzuckerindustrie gehört
Adolph Frank, der
1858 ein Patent zur Scheidung und Reinigung von
Rübensäften erhielt.