Es ist bereits seit Langem
fester Bestandteil der Erziehungspolitik unseres Landes,
daß Jugendliche über die Gefahren und Nebenwirkungen von
legalen sowie illegalen Drogen aufgeklärt werden. Leider
sprechen die Zahlen der Drogenkonsumenten dafür, an der
Wirksamkeit der Aufklärung zu zweifeln.
Nein, verstehen Sie mich
bitte nicht falsch. Ich bin kein Gegner der Aufklärung.
Ich bin sogar felsenfest davon überzeugt, daß ohne sie die
Zahl der Konsumenten noch größer wäre. Fakt ist, daß die
Einnahme einer Droge keinen Hinweis auf die Gefahren gibt,
denn die Wirkung suggeriert ausschließlich positive
Eigenschaften. Ohne Aufklärung wären wir somit nicht viel
besser dran als unsere tierischen Freunde. Wir würden
instinktgesteuert Drogen konsumieren und uns wenig
Gedanken über das Aufhören oder Einschränken machen.
Dennoch gibt vor allem die
hohe Zahl der jugendlichen Konsumenten Anlaß, über die
Effektivität des aktuellen Aufklärungsmodells
nachzudenken.
Fast jeder kommt bereits
während seiner Schullaufbahn mindestens einmal in den
Genuß, mehr über Drogen zu erfahren. In den
Aufklärungsstunden werden die Wirkungen und Nebenwirkungen
aller bekannten Drogen ausführlich beschrieben. Häufig
wird eine Raucherlunge, eine kaputte Leber und das Bild
eines toten Junkies präsentiert.
Meiner Meinung nach, ein
guter Ansatz, der einige Nichtkonsumenten davor bewahrt,
Drogen zu nehmen. Die Jugendlichen, die zum Zeitpunkt der
Aufklärung bereits rauchen, trinken, sniefen oder
spritzen, bleiben jedoch relativ unbeeindruckt. Ich
gehörte auch zu dieser Gruppe. Ich wußte – wie die meisten
– bereits vorher von den Spätfolgen und kannte die
kurzfristigen Nachwirkungen aus eigener Erfahrung. Ans
Aufhören dachte ich trotzdem nicht. Ich war so von der
Wirkung der Drogen beeindruckt, daß mich die Nachwirkungen
kalt ließen. Ich nahm sogar einen frühzeitigen Tod in
Kauf, da ich ein Leben ohne Drogen mit einem vergeudeten
Leben gleichsetzte. Und – der Schizophrenie der Drogen sei
Dank – war ich davon überzeugt - obwohl ich mir ein Leben
ohne Drogen nicht mehr vorstellen konnte – bei Bedarf
jederzeit aufhören zu können.
Meiner Meinung nach ist es
unumgänglich, das aktuelle Aufklärungsmodell zu erweitern.
Den (Nicht)Konsumenten hilft es wenig, wenn ihnen ständig
die Gefahren der Drogen vor Augen gehalten werden. Ein
Verständnis für das, was sie machen, wird ihnen damit
nicht vermittelt. Aus mir unverständlichen Gründen wird
beispielsweise das Muster der allgemeinen Drogenwirkung
bislang in keiner Aufklärung erwähnt. Man kann von keinem
Konsumenten verlangen, er müsse wissen worauf er sich
einläßt, wenn ihm niemand die entsprechenden Informationen
liefert.
Wie bei der Debatte um
die (Il)Legalisierung heißt es auch im Bereich der
Aufklärung: warten was die Zukunft bringt…
„…am 01.01.14 ist es
endlich soweit. Nach endlosen Debatten, zum Teil heftigen
Protesten und einigen erfolgreichen Pilotprojekten, tritt
das wohl revolutionärste Gesetz der letzten einhundert
Jahre in Kraft. Egal, was das neue Drogengesetz für jeden
einzelnen bedeutet, es wird die Zukunft verändern.
Woran wir vor zehn Jahren
nicht einmal im Traum zu denken wagten, ist dann Realität.
Jedem Bürger der Europäischen Union ist der Konsum aller
Drogen gestattet. Der individuelle Rausch ist an lediglich
drei Bedingungen gebunden. Erstens die Volljährigkeit,
zweitens die Teilnahme an einem Seminar und drittens keine
Drogen am Arbeitsplatz und am Steuer. Die seit bereits
fünf Monaten stattfindenden Seminare erfreuen sich schon
jetzt größter Beliebtheit. Die an jeden Absolventen
kostenlos verteilten Chipkarten werden jedoch – wie
erhofft – nur von wenigen angenommen. Sollten Sie
Interesse an einem freien Drogenrausch haben, bleiben
Ihnen noch sieben Monate, um sich an einem kostenlosen
Seminar in Ihrer Nähe einzuschreiben. Sie erhalten dort in
fünf bis sechs Stunden das geballte Wissen über Drogen,
können sich im Anschluß einem Lernerfolgstest unterziehen
und bekommen daraufhin die Chipkarte. Am Neujahrsmorgen
haben Sie die Möglichkeit, an einem der gepanzerten
Drogenautomaten mit Hilfe der Chipkarte, Ihrem
Fingerabdruck und ein wenig Kleingeld, Ihre Lieblingsdroge
zu kaufen. In den, mit „DRUGSTORE“ gekennzeichneten
Drogenhäusern, finden Sie für jede Droge jeweils einen
Automaten der SDW (staatliche Drogenwerke).
Einen am Markt
orientierten Verkauf von Drogen wird es nicht mehr geben.
Die Konzerne, die bislang ihr Geld mit dem Verkauf von
legalen Drogen verdienten, werden geschlossen. Die SDW
übernehmen einen Teil der Produktionsstätten und der
Mitarbeiter. Es wird keine Werbung für Drogen mehr geben.
Um sicherzugehen, daß nur diejenigen, an Drogen gelangen,
die im Besitz einer Chipkarte sind, hat man sich neben dem
Fingerabdruck noch zwei weitere Dinge einfallen lassen:
1.Um der
Bestechlichkeit eines Verkäufers vorzubeugen, erhält man
die Drogen ausnahmslos an den Automaten.
2.Wird jemand beim
Konsumieren erwischt, ohne im Besitz einer Karte zu sein,
drohen ihm zwanzig Jahre Haft. – Da eine Kontrolle nur bei
Verdacht erlaubt ist, wird eine Belohnung in Höhe von
einer Million Euro für denjenigen ausgesetzt, der der
Polizei einen „Schwarzkonsumenten“ meldet.
Auch unser Nachwuchs soll
nicht von der neuen Aufklärungswelle verschont bleiben.
Jeder Schüler der zehnten Klasse hat die Pflicht, an einem
Drogenseminar teilzunehmen. Selbstverständlich werden in
der Schule keine Chipkarten verteilt. Die Maßnahme dient
lediglich dem Zweck, daß jeder Bürger zumindest einmal in
seinem Leben aufgeklärt wird. Die Kosten für die Seminare
trägt der Staat…“
Aus: Kleinquakener
Abendblatt 01/06/2013
„…laut dem diesjährigen
Drogenbericht, ist die Anzahl der Konsumenten erneut sehr
niedrig. Keine der erhältlichen Drogen wird von mehr als
3% der Bevölkerung konsumiert. Beliebteste Droge ist - wie
auch in den Jahren zuvor - Cannabis. Der Trend, immer
weniger Drogen zu konsumieren begann bereits vor fünfzig
Jahren. Die Länder der Europäischen Union verabschiedeten
damals, nach erfolgreichem Verlauf eines Pilotprojektes,
ein revolutionäres Gesetz. Der Volkswirtschaftliche
Schaden durch den Drogenkonsum, der im Jahre 2013 noch auf
mehrere Hundertmilliarden Euro geschätzt wurde, ist
mittlerweile auf einige wenige Milliarden geschrumpft. Die
Zahl der Verkehrstoten…“