Impressum | Email | Links | Home
Buch

Einleitung
Teil1 - Phil. Sichtweisen
Teil2 - Wiss. Erklärungen
Teil3 - Lösungen
Teil4 - Standpunkte
         Legal - Illegal?
         Aufklärung
         Drogen als Medizin
         Tierversuche
         Politiker auf Drogen
Komplettdownload
 
 

Teil4 - Standpunkte - Aufklärung

 

Aufklärung

 

Ob sich daran noch etwas ändert?

 

Es ist bereits seit Langem fester Bestandteil der Erziehungspolitik unseres Landes, daß Jugendliche über die Gefahren und Nebenwirkungen von legalen sowie illegalen Drogen aufgeklärt werden. Leider sprechen die Zahlen der Drogenkonsumenten dafür, an der Wirksamkeit der Aufklärung zu zweifeln.

 

Nein, verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich bin kein Gegner der Aufklärung. Ich bin sogar felsenfest davon überzeugt, daß ohne sie die Zahl der Konsumenten noch größer wäre. Fakt ist, daß die Einnahme einer Droge keinen Hinweis auf die Gefahren gibt, denn die Wirkung suggeriert ausschließlich positive Eigenschaften. Ohne Aufklärung wären wir somit nicht viel besser dran als unsere tierischen Freunde. Wir würden instinktgesteuert Drogen konsumieren und uns wenig Gedanken über das Aufhören oder Einschränken machen.

 

Dennoch gibt vor allem die hohe Zahl der jugendlichen Konsumenten Anlaß, über die Effektivität des aktuellen Aufklärungsmodells nachzudenken.

 

Fast jeder kommt bereits während seiner Schullaufbahn mindestens einmal in den Genuß, mehr über Drogen zu erfahren. In den Aufklärungsstunden werden die Wirkungen und Nebenwirkungen aller bekannten Drogen ausführlich beschrieben. Häufig wird eine Raucherlunge, eine kaputte Leber und das Bild eines toten Junkies präsentiert.

Meiner Meinung nach, ein guter Ansatz, der einige Nichtkonsumenten davor bewahrt, Drogen zu nehmen. Die Jugendlichen, die zum Zeitpunkt der Aufklärung bereits rauchen, trinken, sniefen oder spritzen, bleiben jedoch relativ unbeeindruckt. Ich gehörte auch zu dieser Gruppe. Ich wußte – wie die meisten – bereits vorher von den Spätfolgen und kannte die kurzfristigen Nachwirkungen aus eigener Erfahrung. Ans Aufhören dachte ich trotzdem nicht. Ich war so von der Wirkung der Drogen beeindruckt, daß mich die Nachwirkungen kalt ließen. Ich nahm sogar einen frühzeitigen Tod in Kauf, da ich ein Leben ohne Drogen mit einem vergeudeten Leben gleichsetzte. Und – der Schizophrenie der Drogen sei Dank – war ich davon überzeugt - obwohl ich mir ein Leben ohne Drogen nicht mehr vorstellen konnte – bei Bedarf jederzeit aufhören zu können.

 

Meiner Meinung nach ist es unumgänglich, das aktuelle Aufklärungsmodell zu erweitern. Den (Nicht)Konsumenten hilft es wenig, wenn ihnen ständig die Gefahren der Drogen vor Augen gehalten werden. Ein Verständnis für das, was sie machen, wird ihnen damit nicht vermittelt. Aus mir unverständlichen Gründen wird beispielsweise das Muster der allgemeinen Drogenwirkung bislang in keiner Aufklärung erwähnt. Man kann von keinem Konsumenten verlangen, er müsse wissen worauf er sich einläßt, wenn ihm niemand die entsprechenden Informationen liefert.

 

Wie bei der Debatte um die (Il)Legalisierung heißt es auch im Bereich der Aufklärung: warten was die Zukunft bringt…

 

„…am 01.01.14 ist es endlich soweit. Nach endlosen Debatten, zum Teil heftigen Protesten und einigen erfolgreichen Pilotprojekten, tritt das wohl revolutionärste Gesetz der letzten einhundert Jahre in Kraft. Egal, was das neue Drogengesetz für jeden einzelnen bedeutet, es wird die Zukunft verändern.

Woran wir vor zehn Jahren nicht einmal im Traum zu denken wagten, ist dann Realität. Jedem Bürger der Europäischen Union ist der Konsum aller Drogen gestattet. Der individuelle Rausch ist an lediglich drei Bedingungen gebunden. Erstens die Volljährigkeit, zweitens die Teilnahme an einem Seminar und drittens keine Drogen am Arbeitsplatz und am Steuer. Die seit bereits fünf Monaten stattfindenden Seminare erfreuen sich schon jetzt größter Beliebtheit. Die an jeden Absolventen kostenlos verteilten Chipkarten werden jedoch – wie erhofft – nur von wenigen angenommen. Sollten Sie Interesse an einem freien Drogenrausch haben, bleiben Ihnen noch sieben Monate, um sich an einem kostenlosen Seminar in Ihrer Nähe einzuschreiben. Sie erhalten dort in fünf bis sechs Stunden das geballte Wissen über Drogen, können sich im Anschluß einem Lernerfolgstest unterziehen und bekommen daraufhin die Chipkarte. Am Neujahrsmorgen haben Sie die Möglichkeit, an einem der gepanzerten Drogenautomaten mit Hilfe der Chipkarte, Ihrem Fingerabdruck und ein wenig Kleingeld, Ihre Lieblingsdroge zu kaufen. In den, mit „DRUGSTORE“ gekennzeichneten Drogenhäusern, finden Sie für jede Droge jeweils einen Automaten der SDW (staatliche Drogenwerke).

Einen am Markt orientierten Verkauf von Drogen wird es nicht mehr geben. Die Konzerne, die bislang ihr Geld mit dem Verkauf von legalen Drogen verdienten, werden geschlossen. Die SDW übernehmen einen Teil der Produktionsstätten und der Mitarbeiter. Es wird keine Werbung für Drogen mehr geben. Um sicherzugehen, daß nur diejenigen, an Drogen gelangen, die im Besitz einer Chipkarte sind, hat man sich neben dem Fingerabdruck noch zwei weitere Dinge einfallen lassen:

 

1.                       Um der Bestechlichkeit eines Verkäufers vorzubeugen, erhält man die Drogen ausnahmslos an den Automaten.

2.                       Wird jemand beim Konsumieren erwischt, ohne im Besitz einer Karte zu sein, drohen ihm zwanzig Jahre Haft. – Da eine Kontrolle nur bei Verdacht erlaubt ist, wird eine Belohnung in Höhe von einer Million Euro für denjenigen ausgesetzt, der der Polizei einen „Schwarzkonsumenten“ meldet.

 

Auch unser Nachwuchs soll nicht von der neuen Aufklärungswelle verschont bleiben. Jeder Schüler der zehnten Klasse hat die Pflicht, an einem Drogenseminar teilzunehmen. Selbstverständlich werden in der Schule keine Chipkarten verteilt. Die Maßnahme dient lediglich dem Zweck, daß jeder Bürger zumindest einmal in seinem Leben aufgeklärt wird. Die Kosten für die Seminare trägt der Staat…“

 

Aus: Kleinquakener Abendblatt 01/06/2013

 

 „…laut dem diesjährigen Drogenbericht, ist die Anzahl der Konsumenten erneut sehr niedrig. Keine der erhältlichen Drogen wird von mehr als 3% der Bevölkerung konsumiert. Beliebteste Droge ist - wie auch in den Jahren zuvor - Cannabis. Der Trend, immer weniger Drogen zu konsumieren begann bereits vor fünfzig Jahren. Die Länder der Europäischen Union verabschiedeten damals, nach erfolgreichem Verlauf eines Pilotprojektes, ein revolutionäres Gesetz. Der Volkswirtschaftliche Schaden durch den Drogenkonsum, der im Jahre 2013 noch auf mehrere Hundertmilliarden Euro geschätzt wurde, ist mittlerweile auf einige wenige Milliarden geschrumpft. Die Zahl der Verkehrstoten…“

 

Aus: Kleinquakener Abendblatt 03/09/2064

 

weiter