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Buch

Einleitung
Teil1 - Phil. Sichtweisen
Teil2 - Wiss. Erklärungen
Teil3 - Lösungen
Teil4 - Standpunkte
         Legal - Illegal?
         Aufklärung
         Drogen als Medizin
         Tierversuche
         Politiker auf Drogen
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Teil4 - Standpunkte - Legal illegal?

 

Legal illegal?

 

Wo wollen wir hin?

 

„Nein lieber Kollege, damit kann und will ich mich nicht zufrieden geben! Es ist uns nach beinahe einem Jahrhundert der Prohibitionspolitik nicht gelungen ist, die Zahl der Drogentoten sowie die damit zusammenhängende Kriminalität zu senken. Selbst immer wieder erhöhte Strafen und strengere Kontrollen greifen nicht. Es ist an der Zeit, daß sture Festhalten an weithergeholte Ideale zu beenden. Ich fordere hiermit eine sofortige Legalisierung insbesondere der weichen Drogen. Die Abgabe kann über Jugendschutzgesetze, Steuern und Qualitätsrichtlinien kontrolliert werden. Eine weitere Kriminalisierung harmloser Konsumenten kann ich nicht tolerieren!“

 

„Jetzt machen Sie aber mal halblang! Ich glaube Sie verdrehen hier ein wenig die Tatsachen. Sie wissen genau, was passieren würde, wenn wir Drogen legalisieren. Immer mehr Menschen würden sich berauschen, mehr Drogen bedeutet auch mehr Kranke und die Kosten für unser Gesundheitssystem sind schon jetzt nicht mehr tragbar.“

 

„Dann werfen sie doch bitte einen Blick auf unseren niederländischen Nachbarstaat.“

 

„Was da funktioniert, muß noch lange nicht bei uns funktionieren. Des weiteren leben wir immer noch in einer Demokratie und da hat die Mehrheit der Bevölkerung zu entscheiden und nicht ein paar dahergelaufene Hippies, die sich berauschen wollen.“

 

„Schön vorsichtig Herr Kollege! Passen Sie auf, was Sie sagen. Sie möchten mich doch nicht etwa als Hippie bezeichnen?“

 

„Ja, ja, Sie habe ich auch nicht gemeint. Aber Sie vertreten die Interessen dieser Menschen. Und die sind nun mal in der Minderheit.“

 

„Das ist gut möglich. Doch wer gibt Ihnen das Recht, zu entscheiden, daß sich die Menschen besaufen aber nicht bekiffen dürfen?“

 

„Na dann vergleichen Sie bitte die Anzahl der Konsumenten und stellen mir die Frage noch einmal.“

 

„Es geht Ihnen also hauptsächlich um Wählerstimmen?“

 

„Sie haben es anscheinend immer noch nicht verstanden. Wir leben nicht in einer Diktatur. Sie können auch nicht gegen ein anderes Land in den Krieg ziehen, nur weil fünf Prozent der Bevölkerung das gutheißen würden.“

 

„Wie kommen Sie auf fünf Prozent? Gab es bereits eine Wahl?“

 

„Jetzt beginnen Sie langsam zu nerven! Ich berufe mich auf Umfrageergebnisse. Sie können nicht wegen jedem Sch… die Menschen zur Urne treiben.“

 

„Ich merke schon, es macht keinen Sinn, weiter mit Ihnen darüber zu diskutieren. Sie sind Vorsitzender der Regierungspartei und haben das Sagen. Ich hoffe nur, daß in der nächsten Legislaturperiode ein Wechsel erfolgt. Wir brauchen endlich Politiker, die einen Ar… in der Hose haben und Dinge durchsetzen, von denen sie wissen, daß sie richtig sind.“

 

„Gut, das Gespräch ist hiermit beendet. Vielleicht bekommen Sie demnächst einen neuen Vorsitzenden. Vielleicht ist er auch ein Freund der Legalisierung. Und Vielleicht verabschiedet er auch ein neues Gesetz. Aber mit Sicherheit wird er im Anschluß kein weiteres Mal gewählt und dann ist er Geschichte, Ihr Politiker mit Ar… in der Hose! Auf wiedersehen“

 

 

Obwohl das Gespräch frei erfunden ist und in der Form niemals öffentlich geführt werden würde, kann man daran gut erkennen, worum es im ewigen Kampf zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Legalisierung geht. Selbst wenn eine Regierungspartei eine Sympathie für die Legalisierungsfreunde entwickeln würde, sie könnte es nicht öffentlich zugeben. Ihre Wähler würden es ihr nie verzeihen. Der größte Teil der Bevölkerung – und damit auch der Wähler – konsumiert die Drogen Nikotin, Alkohol, Koffein und Zucker und sieht in den illegalen Drogen eine Gefahr. Natürlich sind legale Drogen nicht weniger gefährlich als illegale. Aber wir wissen auch, daß es an der Hinterhältigkeit der Droge liegt, daß ihr Konsument die Gefahr nicht wahrnimmt. So gibt es für jede Droge eine Lobby, deren Mitglieder Konsumenten der selbigen sind. Von nichts weiter als ihrer eigenen Dopaminkonzentration angetrieben, sehen sie sich genötigt, die Erhältlichkeit ihres Stoffes zu sichern. Je mehr Konsumenten eine Droge hat, desto wahrscheinlicher ist ihre freie Verfügbarkeit. Je weniger Konsumenten eine Droge hat, desto wahrscheinlicher ist es, daß die Anhänger für die freie Verfügbarkeit demonstrieren müssen. „that´s democracy“

 

Hätte die Weltgeschichte einen anderen Verlauf genommen, könnten heutzutage genausogut neunzig Prozent der Bevölkerung zu den Koksern gehören. Verschiedene Multikonzerne würden dann den Kokainmarkt untereinander aufteilen. Die Städte wären übersäht mit Plakaten von glücklichen Koksercowboys. Selbstverständlich wäre es erst ab 18 Jahren frei erhältlich, aber ein guter Kokserpapi würde bereits zum sechzehnten Geburtstag seines Sohnes ein Bähnchen spendieren und ihn damit zum Erwachsenen machen.

Auf der anderen Seite stünden die armen Alkoholfreunde, die seit zwanzig Jahren keine Legalisierungsparty mehr versäumt haben. Sie fordern ihr „Recht auf Rausch“ und preisen Alkohol als vielfältige Medizin an. Dennoch werden sie nicht erhört. Die fröhlichen Kokser, die selbstverständlich auch massenhaft in der Regierung vertreten sind, verabscheuen (jedenfalls in der Öffentlichkeit) Alkohol. So bleibt den armen Trinkern nichts weiter übrig, als ihren gepanschten Fusel weiterhin beim Alkdealer zu besorgen und dabei eine hohe Gefängnisstrafe zu riskieren.

 

Es ist in der Tat eine wirre Situation, in der wir uns befinden. Bleibt alles wie es ist, geht der Streit ewig weiter. Eine Legalisierung würde einen unglaublichen Aufschrei in den Medien und der Bevölkerung provozieren. Die Regierungspartei wäre schnell am Ende. Ein Verbot aller Drogen hätte noch katastrophalere Folgen, an deren Spitze ein blutiger Volksaufstand stehen würde.

 

Der einzige Weg in eine Legalisierung von Drogen ist es, viel Kraft in die Überzeugung von Nichtkonsumenten zu stecken. Sollte es beispielsweise die Cannabislobby schaffen, dreißig bis vierzig Prozent der Bevölkerung zum Kiffen zu überreden (oder zur Akzeptanz gegenüber der Droge), stünde einer Legalisierung nichts mehr im Weg. Die Chancen stehen momentan ganz gut, für das grüne Pflänzchen. Es ist ein interessanter – friedlicher - Kampf der Hanffreunde ausgebrochen. Charakteristisch dafür ist der Dauerstreit mit der reziproken Droge Alkohol und deren Anhänger. Da beide Drogen eine komplett gegensätzliche Wirkung haben, trifft man selten auf Menschen, die von beiden Drogen begeistert sind. Die Alkoholkonsumenten läßt der Streit relativ kalt. Sie erhalten ihre Droge wo und wann immer sie wollen. Die Kiffer haben es da schon schwerer. Sie müssen ihrem „Hobby“ im Geheimen nachgehen und brechen ständig das Gesetz. So wundert es nicht, daß Druck von der immer größer werdenden Cannabisgemeinde ausgeübt wird. Wichtigstes Argument ist der gesundheitliche Vorteil gegenüber dem Alkohol. Es wird dabei immer wieder auf vierzigtausend Alkoholtote pro Jahr verwiesen, denen keine einzige Hanfleiche gegenübersteht. Wobei einzuwenden ist, daß viele der unzähligen, im Cannabisqualm enthaltenen Inhaltsstoffe krebserregend sind und es schwer ist, bei einem krebskranken Zigarettenraucher, der auch Kiffer ist, festzustellen was den Krebs und letztendlich den Tod des Konsumenten begünstigt hat. Es ist zwar richtig, daß die meisten Cannabiskonsumenten nur gelegentlich kiffen und die körperlichen Schäden sich aus diesem Grund in Grenzen halten. Aber auch die körperlichen Nebenwirkungen eines Gelegenheitstrinkers sind nicht unbedingt gefährlich. Die körperlichen Schäden hängen, wie bei allen Drogen von der Häufigkeit und der Intensität des Konsums ab. Das Argument der medizinischen Vorteile des Cannabiswirkstoffes THC ist nicht ungewichtig. Doch es verschlechtert nicht den Status von Alkohol, da auch dieser in einigen medizinischen Bereichen seinen Einsatz findet.

 

Obwohl die endgültige Legalisierung von Cannabis noch ein wenig auf sich warten lassen wird, sind die Konsumenten natürlich im Recht. Es läuft objektiv gesehen etwas falsch, wenn der Konsum einer Droge gegen das Gesetz verstößt und der Konsum einer anderen – nicht unschädlicheren – Droge beworben, begrüßt und eindrücklich erwünscht wird.

 

Wir können in jedem Fall gespannt darauf warten, was uns die Zukunft der (Il)Legalisierungsdebatte noch alles bietet.

 

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