„Nein lieber Kollege,
damit kann und will ich mich nicht zufrieden geben! Es ist
uns nach beinahe einem Jahrhundert der Prohibitionspolitik
nicht gelungen ist, die Zahl der Drogentoten sowie die
damit zusammenhängende Kriminalität zu senken. Selbst
immer wieder erhöhte Strafen und strengere Kontrollen
greifen nicht. Es ist an der Zeit, daß sture Festhalten an
weithergeholte Ideale zu beenden. Ich fordere hiermit eine
sofortige Legalisierung insbesondere der weichen Drogen.
Die Abgabe kann über Jugendschutzgesetze, Steuern und
Qualitätsrichtlinien kontrolliert werden. Eine weitere
Kriminalisierung harmloser Konsumenten kann ich nicht
tolerieren!“
„Jetzt machen Sie aber mal
halblang! Ich glaube Sie verdrehen hier ein wenig die
Tatsachen. Sie wissen genau, was passieren würde, wenn wir
Drogen legalisieren. Immer mehr Menschen würden sich
berauschen, mehr Drogen bedeutet auch mehr Kranke und die
Kosten für unser Gesundheitssystem sind schon jetzt nicht
mehr tragbar.“
„Dann werfen sie doch
bitte einen Blick auf unseren niederländischen
Nachbarstaat.“
„Was da funktioniert, muß
noch lange nicht bei uns funktionieren. Des weiteren leben
wir immer noch in einer Demokratie und da hat die Mehrheit
der Bevölkerung zu entscheiden und nicht ein paar
dahergelaufene Hippies, die sich berauschen wollen.“
„Schön vorsichtig Herr
Kollege! Passen Sie auf, was Sie sagen. Sie möchten mich
doch nicht etwa als Hippie bezeichnen?“
„Ja, ja, Sie habe ich auch
nicht gemeint. Aber Sie vertreten die Interessen dieser
Menschen. Und die sind nun mal in der Minderheit.“
„Das ist gut möglich.
Doch wer gibt Ihnen das Recht, zu entscheiden, daß sich
die Menschen besaufen aber nicht bekiffen dürfen?“
„Na dann vergleichen Sie
bitte die Anzahl der Konsumenten und stellen mir die Frage
noch einmal.“
„Es geht Ihnen also
hauptsächlich um Wählerstimmen?“
„Sie haben es anscheinend
immer noch nicht verstanden. Wir leben nicht in einer
Diktatur. Sie können auch nicht gegen ein anderes Land in
den Krieg ziehen, nur weil fünf Prozent der Bevölkerung
das gutheißen würden.“
„Wie kommen Sie auf
fünf Prozent? Gab es bereits eine Wahl?“
„Jetzt beginnen Sie
langsam zu nerven! Ich berufe mich auf Umfrageergebnisse.
Sie können nicht wegen jedem Sch… die Menschen zur Urne
treiben.“
„Ich merke schon, es
macht keinen Sinn, weiter mit Ihnen darüber zu
diskutieren. Sie sind Vorsitzender der Regierungspartei
und haben das Sagen. Ich hoffe nur, daß in der nächsten
Legislaturperiode ein Wechsel erfolgt. Wir brauchen
endlich Politiker, die einen Ar… in der Hose haben und
Dinge durchsetzen, von denen sie wissen, daß sie richtig
sind.“
„Gut, das Gespräch ist
hiermit beendet. Vielleicht bekommen Sie demnächst einen
neuen Vorsitzenden. Vielleicht ist er auch ein Freund der
Legalisierung. Und Vielleicht verabschiedet er auch ein
neues Gesetz. Aber mit Sicherheit wird er im Anschluß kein
weiteres Mal gewählt und dann ist er Geschichte, Ihr
Politiker mit Ar… in der Hose! Auf wiedersehen“
Obwohl das Gespräch frei
erfunden ist und in der Form niemals öffentlich geführt
werden würde, kann man daran gut erkennen, worum es im
ewigen Kampf zwischen den Befürwortern und den Gegnern der
Legalisierung geht. Selbst wenn eine Regierungspartei eine
Sympathie für die Legalisierungsfreunde entwickeln würde,
sie könnte es nicht öffentlich zugeben. Ihre Wähler würden
es ihr nie verzeihen. Der größte Teil der Bevölkerung –
und damit auch der Wähler – konsumiert die Drogen Nikotin,
Alkohol, Koffein und Zucker und sieht in den illegalen
Drogen eine Gefahr. Natürlich sind legale Drogen nicht
weniger gefährlich als illegale. Aber wir wissen auch, daß
es an der Hinterhältigkeit der Droge liegt, daß ihr
Konsument die Gefahr nicht wahrnimmt. So gibt es für jede
Droge eine Lobby, deren Mitglieder Konsumenten der
selbigen sind. Von nichts weiter als ihrer eigenen
Dopaminkonzentration angetrieben, sehen sie sich genötigt,
die Erhältlichkeit ihres Stoffes zu sichern. Je mehr
Konsumenten eine Droge hat, desto wahrscheinlicher ist
ihre freie Verfügbarkeit. Je weniger Konsumenten eine
Droge hat, desto wahrscheinlicher ist es, daß die Anhänger
für die freie Verfügbarkeit demonstrieren müssen. „that´s
democracy“
Hätte die Weltgeschichte
einen anderen Verlauf genommen, könnten heutzutage
genausogut neunzig Prozent der Bevölkerung zu den Koksern
gehören. Verschiedene Multikonzerne würden dann den
Kokainmarkt untereinander aufteilen. Die Städte wären
übersäht mit Plakaten von glücklichen Koksercowboys.
Selbstverständlich wäre es erst ab 18 Jahren frei
erhältlich, aber ein guter Kokserpapi würde bereits zum
sechzehnten Geburtstag seines Sohnes ein Bähnchen
spendieren und ihn damit zum Erwachsenen machen.
Auf der anderen Seite
stünden die armen Alkoholfreunde, die seit zwanzig Jahren
keine Legalisierungsparty mehr versäumt haben. Sie fordern
ihr „Recht auf Rausch“ und preisen Alkohol als vielfältige
Medizin an. Dennoch werden sie nicht erhört. Die
fröhlichen Kokser, die selbstverständlich auch massenhaft
in der Regierung vertreten sind, verabscheuen (jedenfalls
in der Öffentlichkeit) Alkohol. So bleibt den armen
Trinkern nichts weiter übrig, als ihren gepanschten Fusel
weiterhin beim Alkdealer zu besorgen und dabei eine hohe
Gefängnisstrafe zu riskieren.
Es ist in der Tat eine
wirre Situation, in der wir uns befinden. Bleibt alles wie
es ist, geht der Streit ewig weiter. Eine Legalisierung
würde einen unglaublichen Aufschrei in den Medien und der
Bevölkerung provozieren. Die Regierungspartei wäre schnell
am Ende. Ein Verbot aller Drogen hätte noch
katastrophalere Folgen, an deren Spitze ein blutiger
Volksaufstand stehen würde.
Der einzige Weg in eine
Legalisierung von Drogen ist es, viel Kraft in die
Überzeugung von Nichtkonsumenten zu stecken. Sollte es
beispielsweise die Cannabislobby schaffen, dreißig bis
vierzig Prozent der Bevölkerung zum Kiffen zu überreden
(oder zur Akzeptanz gegenüber der Droge), stünde einer
Legalisierung nichts mehr im Weg. Die Chancen stehen
momentan ganz gut, für das grüne Pflänzchen. Es ist ein
interessanter – friedlicher - Kampf der Hanffreunde
ausgebrochen. Charakteristisch dafür ist der Dauerstreit
mit der reziproken Droge Alkohol und deren Anhänger. Da
beide Drogen eine komplett gegensätzliche Wirkung haben,
trifft man selten auf Menschen, die von beiden Drogen
begeistert sind. Die Alkoholkonsumenten läßt der Streit
relativ kalt. Sie erhalten ihre Droge wo und wann immer
sie wollen. Die Kiffer haben es da schon schwerer. Sie
müssen ihrem „Hobby“ im Geheimen nachgehen und brechen
ständig das Gesetz. So wundert es nicht, daß Druck von der
immer größer werdenden Cannabisgemeinde ausgeübt wird.
Wichtigstes Argument ist der gesundheitliche Vorteil
gegenüber dem Alkohol. Es wird dabei immer wieder auf
vierzigtausend Alkoholtote pro Jahr verwiesen, denen keine
einzige Hanfleiche gegenübersteht. Wobei einzuwenden ist,
daß viele der unzähligen, im Cannabisqualm enthaltenen
Inhaltsstoffe krebserregend sind und es schwer ist, bei
einem krebskranken Zigarettenraucher, der auch Kiffer ist,
festzustellen was den Krebs und letztendlich den Tod des
Konsumenten begünstigt hat. Es ist zwar richtig, daß die
meisten Cannabiskonsumenten nur gelegentlich kiffen und
die körperlichen Schäden sich aus diesem Grund in Grenzen
halten. Aber auch die körperlichen Nebenwirkungen eines
Gelegenheitstrinkers sind nicht unbedingt gefährlich. Die
körperlichen Schäden hängen, wie bei allen Drogen von der
Häufigkeit und der Intensität des Konsums ab. Das Argument
der medizinischen Vorteile des Cannabiswirkstoffes THC ist
nicht ungewichtig. Doch es verschlechtert nicht den Status
von Alkohol, da auch dieser in einigen medizinischen
Bereichen seinen Einsatz findet.
Obwohl die endgültige
Legalisierung von Cannabis noch ein wenig auf sich warten
lassen wird, sind die Konsumenten natürlich im Recht. Es
läuft objektiv gesehen etwas falsch, wenn der Konsum einer
Droge gegen das Gesetz verstößt und der Konsum einer
anderen – nicht unschädlicheren – Droge beworben, begrüßt
und eindrücklich erwünscht wird.
Wir können in jedem
Fall gespannt darauf warten, was uns die Zukunft der (Il)Legalisierungsdebatte
noch alles bietet.