Wunderbare Tage, Monate
oder sogar Jahre sind seit dem letzten Konsum vergangen.
Der ehemalige Konsument erlebte sie wie eine Neugeburt.
Die Freude darüber, den Wirkmechanismus der Drogen endlich
verstanden zu haben und der Drogenfalle entkommen zu sein,
ist zeitweise unerträglich schön. Das Familienleben hat
einen höheren Stellenwert eingenommen, viel Geld wurde
gespart, Dinge, die vorher langweilig erschienen, werden
jetzt mit Begeisterung erledigt, das Selbstvertrauen ist
gestiegen und nichts scheint einen mehr in die
Abhängigkeit stürzen zu können. Alles ist so, wie es
vorhergesagt wurde.
Doch dann fängt
urplötzlich und aus heiterem Himmel alles wieder von vorn
an. Die Ausgangssituation ist der des allerersten Konsums
verblüffend ähnlich. Auf einer Geburtstagsfeier wird der
Entschluß gefällt, die Droge nur noch einmal zu nehmen. Es
ist ein angenehmes Gefühl. Wie damals, beim ersten Mal.
Nach dem Konsum behält die Erleichterung die Oberhand. Das
war in jedem Fall nur eine Ausnahme. Abhängig? Nie wieder.
Einige Tage vergehen, bis sich erneut die Gelegenheit für
eine Ausnahme bietet. Die Grundstimmung ist noch
ungetrübt. Warum also nicht? Und siehe da, auch dieses Mal
verläuft problemlos. Es folgt die dritte, vierte und
fünfte Ausnahme. Nach ein paar Monaten, in denen die
Drogenkarriere wieder von vorn gestartet ist, folgt
plötzlich ein böses Erwachen. Aus der Traum. Abstinenz?
Nein, so was gibt es nicht und wird es nie geben. Einmal
süchtig immer süchtig.
Die kleine Geschichte
steht für eine Regel, die von keiner Ausnahme bestätigt
werden kann, da es keine Ausnahme gibt. Für ehemalige
Drogenkonsumenten, die darauf nicht vorbereitet sind,
kommt mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit
eines Tages der Moment, in dem sie sich großartig fühlen
und felsenfest von der Unmöglichkeit eines Rückfalls in
alte Zeiten überzeugt sind. Sie wagen es, die Droge nur
ein einziges Mal zu sich zu nehmen.
Leider gibt es für sie ab
diesem Zeitpunkt kein zurück mehr. Der
Standardwirkmechanismus der Droge, wie wir ihn im Kapitel
„einmal und immer wieder“ beschrieben haben setzt ein.
„Das ist doch aber kein
Problem“ werden
Sie jetzt vielleicht denken „der Konsument weiß ja
bereits, wie leicht es ist, wieder aufzuhören“.
Leider liegt genau da das
Problem. Der Konsument verliert nach so einem
„Ausrutscher“ einen großen Teil seiner Zuversicht. Er
bekommt Angst vor dem erneuten Versagen und entscheidet
sich, in den meisten Fällen dafür, es vorerst nicht noch
einmal zu versuchen. Die Schuld dafür sucht und findet er
bei sich selbst. Er fühlt sich schwach und minderwertig.
Ein Abstinenzler ist kein
trockener Drogenkonsument. Er befindet sich in der
gleichen Situation wie ein Mensch, der noch nie Drogen zu
sich genommen hat. Der einzige Unterschied besteht darin,
daß er bereits aus praktischer Erfahrung weiß, wie Drogen
wirken. Der erneute Test einer Droge wirkt auf ihn wie auf
jemanden, der noch nie Drogen genommen hat. Beide machen
es immer wieder.
Es ist daher wichtig für uns zu wissen, daß es beim
Drogenkonsum keine Ausnahmen gibt. Egal ob für einen
ehemaligen Konsumenten oder für einen „Neueinsteiger“.
Denn es gilt immer die Regel ohne Ausnahme: „einmal und
immer wieder“.