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Buch

Einleitung
Teil1 - Phil. Sichtweisen
Teil2 - Wiss. Erklärungen
Teil3 - Lösungen
         Aufhören o. Weiterm.?
         Kein Ende in Sicht?
         Das Suchtgedächtnis
         Allg.Medizin
         Kurz und schmerzlos
         Vom Dunkel ins Licht
         Eine Ausnahme
         Abst. Drogenkonsum
         Zusammenfassung
Teil4 - Standpunkte
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Teil3 - Lösungen - Vom Dunkel ans Licht

 

Vom Dunkel ans Licht

 

Alles wird gut!

 

 

Der Konsument hat seine letzte Ration zu sich genommen. Er freut sich, aber so richtig kann er es noch nicht glauben. War das wirklich alles? Irgendwie entsteht eine Leere. Ist das normal?

 

Nach dem letzten Konsum beginnt der Körper sofort mit der Regeneration und Selbstreinigung. Je nach eingenommener Art der Droge und deren Konsumdauer, kann die Konzentration der Botenstoffe zu diesem Zeitpunkt zum Teil sehr niedrig oder - wie zum Beispiel beim Rauchen -, die Anzahl bestimmter Rezeptoren erhöht sein. Die Folge ist ein Gefühl der Unausgeglichenheit, daß früher beim Dauerkonsumenten den Gedanken: „ich brauch jetzt meine Droge“ formte. Bei Gelegenheitskonsumenten ist dieses Gefühl ebenfalls vorhanden. Der Unterschied zu einem Dauerkonsumenten besteht lediglich darin, daß der Gelegenheitskonsument sich bereits an die Unausgeglichenheit gewöhnt hat. Er steht diese Situation ja jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat durch. Er konsumiert, setzt sich dem Entzug aus, konsumiert wieder und setzt sich erneut dem Entzug aus usw. Für den Dauerkonsumenten ist die Erfahrung neu, er weiß nicht mehr, wie es sich anfühlt, einige Tage keine Droge zu sich zu nehmen. Das vorerst bleibende Gefühl der Unausgeglichenheit verunsichert ihn. Hatte er doch bislang, um dem entgegenzuwirken stets zu seiner Droge gegriffen. Er hat an diesem Punkt die Wahl. Entweder er verfällt in Panik oder er akzeptiert die Unausgeglichenheit in dem Bewußtsein, daß sie von Stunde zu Stunde weniger wird und bald ganz verschwunden ist.

Bereits von der ersten Sekunde der Abstinenz an, kann der Konsument mit seinen „positiven Dopaminhemmern“ experimentieren. Die Unausgeglichenheit verschwindet – je nach Art und Dauer der eingenommenen Droge - nach ein paar Tagen. Für einen angenehmen Umgang mit der Unausgeglichenheit empfiehlt sich ein schöner Urlaub oder das Imaginieren oder der Sex mit dem Partner oder nichts tun oder, oder, oder. Fakt ist, das die Neurotransmitterkonzentration oder die Anzahl der Rezeptoren nach ein paar Tagen wieder ausgeglichen ist.

 

Eine Ausnahme!

 

The Return of „einmal und immer wieder“

 

 

Wunderbare Tage, Monate oder sogar Jahre sind seit dem letzten Konsum vergangen. Der ehemalige Konsument erlebte sie wie eine Neugeburt. Die Freude darüber, den Wirkmechanismus der Drogen endlich verstanden zu haben und der Drogenfalle entkommen zu sein, ist zeitweise unerträglich schön. Das Familienleben hat einen höheren Stellenwert eingenommen, viel Geld wurde gespart, Dinge, die vorher langweilig erschienen, werden jetzt mit Begeisterung erledigt, das Selbstvertrauen ist gestiegen und nichts scheint einen mehr in die Abhängigkeit stürzen zu können. Alles ist so, wie es vorhergesagt wurde.

 

Doch dann fängt urplötzlich und aus heiterem Himmel alles wieder von vorn an. Die Ausgangssituation ist der des allerersten Konsums verblüffend ähnlich. Auf einer Geburtstagsfeier wird der Entschluß gefällt, die Droge nur noch einmal zu nehmen. Es ist ein angenehmes Gefühl. Wie damals, beim ersten Mal. Nach dem Konsum behält die Erleichterung die Oberhand. Das war in jedem Fall nur eine Ausnahme. Abhängig? Nie wieder. Einige Tage vergehen, bis sich erneut die Gelegenheit für eine Ausnahme bietet. Die Grundstimmung ist noch ungetrübt. Warum also nicht? Und siehe da, auch dieses Mal verläuft problemlos. Es folgt die dritte, vierte und fünfte Ausnahme. Nach ein paar Monaten, in denen die Drogenkarriere wieder von vorn gestartet ist, folgt plötzlich ein böses Erwachen. Aus der Traum. Abstinenz? Nein, so was gibt es nicht und wird es nie geben. Einmal süchtig immer süchtig.

 

Die kleine Geschichte steht für eine Regel, die von keiner Ausnahme bestätigt werden kann, da es keine Ausnahme gibt. Für ehemalige Drogenkonsumenten, die darauf nicht vorbereitet sind, kommt mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit eines Tages der Moment, in dem sie sich großartig fühlen und felsenfest von der Unmöglichkeit eines Rückfalls in alte Zeiten überzeugt sind. Sie wagen es, die Droge nur ein einziges Mal zu sich zu nehmen.

Leider gibt es für sie ab diesem Zeitpunkt kein zurück mehr. Der Standardwirkmechanismus der Droge, wie wir ihn im Kapitel „einmal und immer wieder“ beschrieben haben setzt ein.

 

„Das ist doch aber kein Problem“ werden Sie jetzt vielleicht denken „der Konsument weiß ja bereits, wie leicht es ist, wieder aufzuhören“.

 

Leider liegt genau da das Problem. Der Konsument verliert nach so einem „Ausrutscher“ einen großen Teil seiner Zuversicht. Er bekommt Angst vor dem erneuten Versagen und entscheidet sich, in den meisten Fällen dafür, es vorerst nicht noch einmal zu versuchen. Die Schuld dafür sucht und findet er bei sich selbst. Er fühlt sich schwach und minderwertig.

 

Ein Abstinenzler ist kein trockener Drogenkonsument. Er befindet sich in der gleichen Situation wie ein Mensch, der noch nie Drogen zu sich genommen hat. Der einzige Unterschied besteht darin, daß er bereits aus praktischer Erfahrung weiß, wie Drogen wirken. Der erneute Test einer Droge wirkt auf ihn wie auf jemanden, der noch nie Drogen genommen hat. Beide machen es immer wieder.

 

Es ist daher wichtig für uns zu wissen, daß es beim Drogenkonsum keine Ausnahmen gibt. Egal ob für einen ehemaligen Konsumenten oder für einen „Neueinsteiger“. Denn es gilt immer die Regel ohne Ausnahme: „einmal und immer wieder“.

 

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