Wir haben getan was wir
konnten. Wir haben alles versucht was in unserer Macht
lag. Geben wir uns geschlagen. Konsumieren wir weiter.
Den Beweis für unsere
Resignation liefern zahlreiche Experimente mit Tieren.
Unser bereits oben erwähntes Forscherteam um Prof. Jochen
Wolffgramm fand in einem sogenannten „Retest“ folgendes
heraus: Wird einem bereits süchtigem Nager die Droge bis
zu neun Monaten entzogen - also ungefähr ein Drittel
Rattenleben - bleiben sie zwangsweise "trocken". Bietet
man ihnen nach der langen Abstinenz wieder Drogen an,
nehmen die Ratten diese sofort freiwillig und in extrem
hohen Dosen zu sich. Und zwar auch dann, wenn der
angebotene "Cocktail" extrem unangenehm schmeckt, weil ihm
Bitterstoffe beigemischt sind. Ein derartiger
"Kontrollverlust" ist ein untrügliches Zeichen für die
Diagnose "Sucht" - bei der Ratte ebenso wie beim Menschen.
Ein weiteres Kriterium aus der Humanmedizin ist der
"Reversibilitätsverlust": Der Drang nach Drogen bleibt
auch nach mehrmonatiger Abstinenz erhalten. Es ist
unumkehrbar. "Es muß sich also eine Art „Suchtgedächtnis“
gebildet haben", folgert Wolffgramm. Doch bei der Suche
nach den Veränderungen im Rattenhirn stehen die Forscher
vor einer Schwierigkeit: Sie müssen zwischen
Veränderungen, die Drogen als Substanz im Hirn anrichten,
und solchen, die Zeichen einer Sucht sind, unterscheiden.
Den findigen Wissenschaftlern gelang es aber dennoch, das
„Suchtgedächtnis“ im Hirn zu orten. Denn Ratten werden nur
süchtig, wenn man ihnen die freie Wahl läßt. Tiere, die
zum Drogenkonsum gezwungen werden, dagegen nicht (siehe
da!). Neurochemiker der Arbeitsgruppe verglichen die
Hirne der freiwillig süchtigen Ratten mit denen der
zwangsweise berauschten und wurden fündig: Sie stießen auf
Veränderungen in der Signalverarbeitung in der "nigrostriatalen
Bahn". Dieser Hirnbericht ist auch beim "normalen“
Verhalten für relativ feste Reiz-Reaktionsbeziehungen
zuständig und grenzt an jenen Teil, der für das flexible
Umgehen mit der Umwelt verantwortlich ist.
Das heißt im Klartext:
Sowohl Nager als auch Menschen haben Pech gehabt. Es
entsteht ein „Suchtgedächtnis“. Dem Konsumenten bleibt gar
nichts anderes übrig, als zeit seines Lebens weiterhin
Drogen zu nehmen. Immerhin nimmt das eine gewaltige Last
von den Schultern der Konsumenten. Man kann ihnen jetzt
nicht mehr vorwerfen, sie unternehmen nichts gegen ihre
Sucht und sind selber Schuld. Mit so einem
„Suchtgedächtnis“ ist eben nicht zu spaßen. Ist es einmal
da, ist alles zu spät.