Impressum | Email | Links | Home
Buch

Einleitung
Teil1 - Phil. Sichtweisen
Teil2 - Wiss. Erklärungen
         Im Kopf
         Wiss. Gewohnheitsfrage
         Wiss. Schuldfrage
         Wiss. Ergr. d. Schlechten
         Zusammenfassung
Teil3 - Lösungen
Teil4 - Standpunkte
Komplettdownload
 
 

Teil2 - Wissenschaftliche Erklärungen - Wiss. Ergründung des Schlechten

 

Wissenschaftliche Ergründung des Schlechten

 

Eine Berg- und Talfahrt

 

 

Wir wissen spätestens seit dem Ende des ersten Teils, daß Drogen etwas eindeutig Schlechtes sind. Doch wie immer liegt auch in diesem Fall die Beweislast auf unseren Schultern.

 

Im letzten Kapitel haben wir nachgewiesen, daß die geläufigsten Aussagen über Drogen eindeutig der Wahrheit entsprechen. Leider hinterlassen Sprüche wie: „die oder die Droge ist unerläßlich bei …“ oder: „die oder die Droge ist ausgesprochen gesund“ einen zweifelsfrei positiven Eindruck von der entsprechenden Substanz. Dennoch soll unsere aktuelle Aufgabe darin bestehen, die Schlechtheit von Drogen zu beweisen. Es ist daher unerläßlich, die bekannten Aussagen noch einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Möglicherweise entdecken wir doch noch ein paar negative Aspekte an ihnen. Beginnen wir wieder am Anfang. 

 

„Rauchen vermindert Streß und wirkt beruhigend“. Wir haben herausgefunden, daß eine Zigarette ähnliche Gefühle in uns weckt, wie ein Kuß. Doch, wirken Zigaretten in der Tat beruhigend? Nein! Das genaue Gegenteil trifft zu. Rauchen streßt. Andy Parrott, Psychologe an der University of East London sagt: „Wer raucht, um Streß abzubauen, fügt sich selbst nur weiteren Streß zu, denn der scheinbar entspannende Effekt des Rauchens kommt nur dadurch zustande, daß durch den Griff zur Zigarette die Spannung, die durch ein Sinken des Nikotin-Levels entstanden ist, wieder aufgehoben wird.“ Und weiter: "Die gewohnheitsmäßigen Raucher brauchen jedoch bald eine weitere Zigarette, um die neuen Abstinenzsymptome, die sich wieder einstellen, zu bekämpfen. Das wiederholte Empfinden negativer Stimmungen zwischen den Zigaretten bedeutet, daß Raucher dazu neigen, ein leicht überdurchschnittliches tägliches Streß-Niveau zu erleben. Somit scheint Nikotin-Abhängigkeit eine direkte Ursache von Streß zu sein."

Das stärkste Argument für diese These sind wohl die zahlreichen Forschungsergebnisse, die belegen, daß das Abgewöhnen des Rauchens Streß reduziert.

Einen weiteren Beweis liefert ein Blick auf die beim Rauchen freigesetzten Neurotransmitter. Durch den Konsum werden diese in erhöhter Konzentration ausgeschüttet. Bei Nachlassen der Wirkung verringert sich die Konzentration wieder und sinkt auf ein niedrigeres Level. Die freigesetzten Neurotransmitter bewirken zunächst ein Gefühl der Entspannung und bauen den Streß ab. Im Anschluß lassen sie aber genau den entgegengesetzten Gefühlen freien Lauf. Es entsteht Streß und Ver- bzw. Anspannung. Zur Beseitigung der entstandenen Negativgefühle ist eine erneute Zigarette nötig. Das „Spiel“ nimmt seinen Lauf.

 

„Alkohol vertreibt Kummer und Sorgen“. Als Beweis für diese Aussage diente uns die betäubende Wirkung des Alkohols auf zahlreiche Rezeptoren. Wie jeder weiß, der Alkohol schon einmal dazu benutzt hat, seinen Kummer zu ertränken, ist selbiger am nächsten Morgen wieder da. Lediglich mit dem Unterschied, noch etwas schlimmer geworden zu sein. Nun gut, daß muß nichts mit dem Alkohol zu tun haben, vielleicht wäre der Kummer auch ohne Besäufnis am nächsten Tag größer gewesen. Vielleicht aber auch nicht.

Auf Alkohol trifft ähnliches zu wie auf Nikotin. Er bringt genau die Mißstände hervor, die er zu bekämpfen scheint. „Alkohol macht Kummer und Sorgen“. Wir wissen bereits, daß Alkohol eine Veränderung verschiedenster Neurotransmittersysteme zur Folge hat. Vor allem das dopaminerge und das serotoninerge System werden negativ beeinflußt. Die Auswirkungen einer zu geringen Dopamin- und Serotoninkonzentration sind ebenfalls bekannt. Eine niedrige Dopaminkonzentration zieht Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Desinteresse nach sich. Bei niedriger Serotoninkonzentration kippt die Stimmungslage. Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Ängste oder Depressionen sind die Folge. Obwohl die Transmittersysteme erst bei mehrmaligem Alkoholgenuß in Mitleidenschaft gezogen werden, sinkt – vorübergehend -  die Dopamin- und Serotoninkonzentration bei jedem Nachlassen der Alkoholwirkung.  Wir haben damit bewiesen, was man uns sowieso schon immer erzählt hat: „Ertränke Deine Sorgen und Nöte nicht im Alkohol. Sie werden dadurch nur noch schlimmer!“  und fügen hinzu: „…und entstehen letztendlich erst durchs Trinken“.

 

„Cannabis erweitert den Horizont“. Die Begründung dafür lag in dem Punkt, daß die Fähigkeit des visuellen Systems, bestimmte unpassende räumliche Wahrnehmungen wegzuretuschieren, durch Cannabinoide behindert wird. Es ist jetzt ein leichtes, darauf hinzuweisen, daß die Betonung in diesem Satz auf „unpassende“ liegen muß. Wir wurden von der Natur (oder wem auch immer) nicht als fast- oder halbfertig geschaffen. Alle Funktionen in unserem Körper sind perfekt aufeinander abgestimmt. Alles hat seinen Sinn. Es hat demzufolge auch einen Sinn, wenn unser visuelles System die Fähigkeit besitzt, räumliche Wahrnehmungen wegzuretuschieren – weil sie halt unpassend sind. Aber das beweist noch lange nicht, daß Cannabis schlecht ist.

Cannabis war meine absolute Lieblingsdroge. Ich konsumierte es zeitweise noch häufiger als Nikotin. Nach meinem ersten Bekifftsein dauerte es nicht lange, bis ich dieser „Beschäftigung“ jeden Tag nachging. Da das Geld damals nicht für meinen Bedarf – etwa 2 Gramm am Tag -  ausgereicht hat, nutzte ich meine kaufmännischen Fähigkeiten kurzum für einen (noch) nicht anerkannten Nebenjob. Die „Arbeit“ bot mir, neben der kostenlosen Eigenversorgung, eine lukrative Nebeneinnahme – und das steuerfrei! Bald gab es nur noch wenige Stunden im Monat, an denen ich nicht bekifft herumhing. Von der Realität bekam ich zu dieser Zeit nicht sehr viel mit. Später setzten die ersten Depressionen ein – zu einer Zeit in der ich bereits die anderen Drogen hinter mir gelassen hatte. Ich wollte auch das Kiffen aufgeben, doch es stellte sich als schwerer heraus als ich dachte. Ich brauchte insgesamt zwei Jahre. Ich nahm mir jeden Abend vor, am nächsten Tag nicht zu kiffen -  es funktionierte nicht ein einziges Mal. Meine psychische Verfassung litt sehr darunter. Ich kapselte mich von jedem – bis auf meine kiffenden Freunde – ab, bekam regelrecht Angst vor Menschen und wurde immer depressiver. Ich kann rückblickend nicht gerade behaupten, daß das Kiffen meinen geistigen Horizont in irgendeiner Art und Weise verändert oder gar verbessert hat. Es dauerte fast ein Jahr, bis mein Kurzzeitgedächtnis wieder einigermaßen zu gebrauchen war. Von den unglaublich „revolutionären“ Gedanken, die ich damals hatte, ist nichts geblieben. Ich freue mich lediglich darüber, daß - wenn ich an das Kiffen erinnert werde – ich diesen unglaublichen Blödsinn nicht mehr machen muß. Zudem kenne ich persönlich nicht wenige Menschen, die dank einer durch Cannabis ausgelösten Psychose in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden mußten.

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht als Moralapostel auftun. Es gibt mit Sicherheit genug Konsumenten, die mit diesen oder ähnlichen Problemen nie zu tun haben werden. Doch auch ein gelegentlicher Konsum von Cannabis hinterläßt seine Spuren. Cannabis schädigt die Bronchien und hat gegenüber dem Nikotin ein fünffach höheres Krebsrisiko. Die bei einmaligem Konsum auftretenden Nebenwirkungen habe ich im ersten Teil bereits erwähnt. Cannabis erhöht ebenfalls (wie Nikotin und Alkohol) die Serotonin- und Dopaminkonzentration. Nach Abklang der Wirkung sinkt der jeweilige Spiegel wieder. Die bekannten „Nebenwirkungen“ kommen zum Vorschein.

Die nachweislich auftretenden psychischen Nebenwirkungen bei häufigem Cannabiskonsum sind: Kritikschwäche, Scheintiefsinn, Einstellungs- und Haltungsveränderungen, vermehrte Selbstzuwendung, Selbstbeobachtung, Selbstbeschäftigung, Mangel an sozialem Interesse, Abwendung von Leistungsverpflichtungen und Leistungsnachlaß. Daraus können wir schließen, daß Cannabis nicht den Horizont erweitert, sondern eher verkleinert.

 

Übrigens: die Cannbinoide haben eigene Rezeptoren im Gehirn, an denen sie „andocken“ und dadurch die bekannte Cannabiswirkung hervorrufen. Diese Rezeptoren sind selbstverständlich nicht dazu da, weil sie darauf warten, daß man kifft. Wir besitzen einen körpereigenen Transmitter, der dem Cannabinoid sehr ähnlich ist. Das Anandamid. Es ist normalerweise dafür verantwortlich, daß wir Schmerzen und Kleinigkeiten vergessen sowie friedfertig und gesellig werden. Anandamide sind für die so genannte rosarote Brille verantwortlich.

 

„Kokain fördert die Kreativität“. Durch den aktivierten fight/flight/fright-Urinstinkt und die gleichzeitige Steigerung des Wohlbefindens, kann sich der Konsument mit allen Sinnen einer bestimmten Tätigkeit widmen. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Kokain macht nicht kreativer. Es macht aus einem Tischler keinen Maler. Der Künstler braucht ein gewisses Potential und muß von hause aus kreativ sein. Lediglich die gesteigerte Aufmerksamkeit begünstigt das Umsetzen von bereits vorhandenen Ideen.

Beim Kokain sind, bis auf das Endorphin, ähnliche Neurotransmitter wie beim Nikotin beteiligt. Die Unterschiede bestehen lediglich darin, daß die Konzentration nicht erhöht, sondern der Abbau gehemmt wird und daß die Konzentration während der Kokainwirkung erheblich höher ist als nach einer Zigarette. Wie bei anderen Drogen endet auch die Wirkung von Kokain irgendwann. Die Konzentrationen der Neurotransmitter fallen extrem ab. Die akuten Folgen sind Angstzustände, leichte bis schwere Depressionen und in einigen Fällen Verfolgungswahn, der in aggressive und selbstschädigende Handlungen münden kann.

 

„Rotwein verringert das Herzinfarktrisiko“. Das ist, wie bereits erwähnt, in verschiedenen Studien nachgewiesen worden. Tatsächlich senken die Phenole das Herzinfarktrisiko. Phenole sind im Wein enthalten, weil sie aus den Beeren herausgelöst werden. Dieses, zum Beispiel durch die Deutsche Weinakademie verbreitete Argument, ist ehrlich gesagt ziemlich haarsträubend. Rotwein enthält, neben den Phenolen weiterhin Alkohol! Trauben essen und rote Beerensaft trinken scheint daher eindeutig empfehlenswerter.

Übrigens: Täglich ein wenig Heroin ist sehr zu empfehlen, da in neuesten Studien ein Zusammenhang zwischen Heroinkonsum und vermindertem Risiko, an Nebenhodenkrebs zu erkranken, nachgewiesen wurde. Verantwortlich dafür ist das im Heroin enthaltene … 

 

„Keine Party ohne Speed oder/und Ecstasy“. Den Beweis für die Wahrheit dieser Aussage finden Sie weiter oben. An der Wirkung beteiligt sind, ähnlich wie bei Kokain, die bekannten Neurotransmitter mit Ausnahme der Endorphine. Die Leistungsbereitschaft wird enorm gesteigert und es kann bis in die Morgenstunden getanzt werden. Der Nachteil liegt auch bei diesen Drogen im Absinken der Neurotransmitterkonzentration mit den bekannten Folgen.

Doch es geht ja um die Party. Persönlich empfand ich es nach jedem Konsum dieser Drogen als sehr negativ, noch Tage später die körperlichen Auswirkungen zu spüren. Stundenlanges tanzen ist für jemanden, der außerhalb der Diskothek keinen Sport treibt nicht wirklich empfehlenswert. Der menschliche Körper hat eine natürliche Schranke, die sich bei allzu großer sportlicher Anstrengung schließt und signalisiert: STOP! Durch die Ausschüttung von Noradrenalin und Adrenalin bleibt diese Schranke den ganzen Abend über offen. Tagelange Gliederschmerzen sind die Folge. Die Drogen beeinflussen jedoch nicht die freie Wahl. Man kann sich selbstverständlich für weniger sportliche Betätigung entscheiden.

Wenn es also nicht um das lange tanzen geht, worum geht es dann? Vielleicht um den Spaß? Ich kann mich noch an Partys erinnern, die vor meiner Drogenkarriere stattfanden. Irgendwie hatte ich auch dort viel Spaß. Noch genauer kann ich mich an verschiedene Partys der neueren Zeit erinnern. Irgendwie habe ich auch heute noch viel Spaß. Ich kann mich aber genausogut an Partys während meiner Drogenkarriere erinnern. Ich sehe mich noch genau mit meinen Freunden deprimiert in der Ecke sitzen, wenn die Drogen einmal später kamen. Es gab auch Abende, an denen die Lieferung ganz und gar ausblieb. Das niederschmetternde Gefühl dabei ist mit Worten nicht zu beschreiben. Die Party war in diesem Fall sofort beendet. Mich konnte dabei nicht einmal die Gewißheit aufheitern, den nächsten Tag ohne Depressionen erleben zu können. Heute ist mir klar: „Gerne Party! Aber ohne Speed oder/und Ecstasy“.

 

„Heroin gibt den einzig wahren Kick im Leben“. Den Beweis dafür haben wir erbracht. Daran gibt es auch nichts zu zweifeln. Doch mal ehrlich, würden Sie als Nichtkonsument deshalb zu Heroin greifen? Mit Sicherheit nicht. Sie kennen die verheerenden Folgen.

Und als Konsument? Können Sie sich im Spiegel in die Augen schauen und sagen: „ein Glück, daß es Heroin gibt“? Mit Sicherheit nicht.

Ich denke, mehr gibt es zur Negativität dieser Droge nicht zu sagen.

 

 

 

Abschließend ergibt sich folgendes Muster der allgemeinen Wirkung von Drogen:

 

1.       Drogen dienen dem Konsumenten zunächst als körperliche oder emotionale Bereicherung (z.Bsp.: bauen Streß ab)

2.       Sie kehren diese Bereicherung anschließend ins Gegenteil um und wirken sowohl körperlich als auch emotional schädigend (z.Bsp.:  rufen Streß hervor)

3.       Die bei weiterem Konsum als Bereicherung empfundene Wirkung dient lediglich als vorübergehende „Reparatur der entstandenen Schäden“ (z.Bsp.: hervorgerufener Streß wird nur noch vorübergehend abgebaut)

4.       Die Schäden werden mit der Zeit immer größer. (z.Bsp.: Streß wird größer)

5.       Bei Dauerkonsum können die Schäden nicht mehr ausgeglichen werden, obwohl die Wirkung nach wie vor als „Reparatur“ empfunden wird. (z.Bsp.: Streß bleibt trotz Konsum)

 

 

Einem Kind wird immer gesagt: „geh nicht mit fremden Erwachsenen mit, da diese lediglich am Anfang freundlich sind um Dir später etwas Schlimmes antun zu können.

 

In Bezug auf Drogen könnte man sagen: „bitte nimm keine Drogen ein, da diese lediglich am Anfang eine positive Wirkung zeigen um Dir später etwas Schlimmes antun zu können!

 

 

weiter