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Buch

Einleitung
Teil1 - Phil. Sichtweisen
Teil2 - Wiss. Erklärungen
         Im Kopf
         Wiss. Gewohnheitsfrage
         Wiss. Schuldfrage
         Wiss. Ergr. d. Schlechten
         Zusammenfassung
Teil3 - Lösungen
Teil4 - Standpunkte
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Teil2 - Wissenschaftliche Erklärungen - Wissenschaftliche Gewohnheitsfrage

 

Wissenschaftliche Gewohnheitsfrage

 

Das Glück im Visier

 

Mit den Informationen über die Neurotransmitter haben wir jetzt die Möglichkeit, die in Teil eins ermittelten Ergebnisse wissenschaftlich zu belegen.

 

Ist man bereit, eine Droge einzunehmen, so folgt nach dem ersten Konsum auch ein zweites, drittes und viertes Mal. Die so genannte Konsumkette, wird erst durch eine strikte Abstinenz oder den Tod des Konsumenten beendet. So lautete jedenfalls unser Ergebnis aus Kapitel sieben. Können die Eigenschaften der Neurotransmitter dabei behilflich sein, das Ergebnis zu beweisen?

Anhand der Tabelle (Neurotransmitter) wird deutlich, daß das so genannte Dopamin bei allen Drogen eine Rolle spielt. Über das Dopamin ist uns bekannt, daß es kein „Glücksstoff“ an sich ist, sondern lediglich als Antriebsmotor zum Glück dient. Seine normale Funktion ist es, den Menschen am Leben zu erhalten. Es regelt die Lust auf das Essen bzw. Trinken, es treibt dazu an, mit dem Partner ins Bett zu steigen und ist „schuld“ an unserer – normalerweise vorhandenen – Lust auf Sport. Neben den Grundlebenserhaltungsmaßnahmen sorgt es auch dafür, Situationen, die als schön empfunden wurden zu wiederholen und negative Erlebnisse in Zukunft lieber zu meiden. Dopamin ist ebenfalls wichtig, um langfristige Ziele zu verwirklichen. Wenn jemand beispielsweise daran interessiert ist, Abteilungsleiter zu werden, stellt er sich vorab das Leben als Abteilungsleiter sehr angenehm vor. Um diese angenehme Situation zu erreichen, wird er vom Dopamin  angetrieben. Wir sagen der Weg ist das Ziel und meinen damit, daß die Vorfreude auf ein Ereignis größer sein kann, als das Ereignis selbst. Der Weg ist mit Dopamin gepflastert. Letztendlich wird auch unser Drang neues zu lernen und zu entdecken, vom Dopamin beeinflußt.

 

Was bedeutet das konkret im Bezug auf Drogen?

 

Die angenehmen Gefühle bestehen natürlich nicht nur aus dem Vorfreudegefühl. Bei jeder Droge wirken zusätzlich noch andere Neurotransmitter, die für die angenehme Stimmung verantwortlich sind (mehr dazu später). Im Gehirn entstehen, sowohl bei jedem positiven als auch bei jedem negativen Erlebnis, neue Nervenbahnverknüpfungen. In ihnen wird alles abgespeichert, was im Zusammenhang mit dem Erlebnis steht. Nach einem romantischen Essen mit dem neuen, heißgeliebten Partner, speichert das Gehirn neben der gesamten Szene auch Einzelheiten ab. Der Duft des Partners und das Flackern der Kerzen werden dabei ebenso in einer „Datenbank“ hinterlegt, wie der Geschmack des Essens und der anschließende Sex. Das Erlebnis war so schön, daß bei der nächsten, auch noch so kleinen Gelegenheit zur Wiederholung, sofort reichlich Dopamin ausgeschüttet wird. Körper und Geist werden dadurch angetrieben, die bestmöglichen Vorraussetzungen für ein weiteres „Dinner for two“, zu schaffen. An die Stelle des gelungenen Abends kann in unserem Fall auch die wunderbare Erfahrung mit einer Droge treten. Die Droge - nehmen wir einmal Kokain - wird das erste Mal an einem Abend eingenommen, der bislang auch ohne Rausch als angenehm im Gehirn abgespeichert war. Das kann zum Beispiel der wöchentliche Besuch in der Lieblingsdisco sein. Kommt zu dem angenehmen Discogefühl auch noch die überaus positive Wirkung des Kokains hinzu, speichert das Gehirn in seiner „Hitliste“ für einen gelungenen Discoabend das Kokain als wichtigste Komponente ab. Die als unangenehm empfundenen Nachwirkungen spielen dabei erst einmal keine Rolle. Heißt es dann am darauffolgenden Wochenende „it´s Discotime!“, sorgt das Dopamin zuerst dafür, daß der Konsument einen Weg findet, um freien Zugang zur Droge zu haben (1). Ist die Vorrätigkeit der Droge gesichert, prasselt ein warmer Dopaminregen auf den Konsumenten nieder. Das dadurch entstehende Glücksgefühl ist noch ein wenig größer als an den bisherigen Wochenenden. Der Konsument freut sich so sehr auf das baldige „Kokainerlebnis“, daß er sich vorab schon wie „auf Droge“ benimmt.

 

Bei Affen, die immerhin ein fünftel der menschlichen Dopaminzellen besitzen, kam man bei verschiedenen Tests zu den gleichen Ergebnissen. Der bloße Hinweis auf eine Drogenzufuhr – beispielsweise durch ein bestimmtes Geräusch – zeigt eine deutlich erhöhte Dopaminkonzentration im Gehirn.

 

Später kombiniert das Gehirn, daß für eine angenehme Situation nicht zwingend der „Umweg“ über die Disco genommen werden muß, sondern die simple Einnahme von Kokain ausreicht. Sobald in Zukunft die Aussicht auf ein Näschen Kokain besteht, treibt das Dopamin dazu an, es auch zu bekommen. Nach dem Abklingen der Kokainwirkung sinkt die Konzentration bis weit unter den Normalbereich - d.h. der Körper produziert vorerst kein neues Dopamin mehr. Antriebslosigkeit und Mißmut – um nur zwei zu nennen - sind die Folgen. Eines Tages „bemerkt“ das Gehirn, daß die weitere Zufuhr von Kokain die Verstimmungen kurieren kann: Die Sucht nimmt ihren Lauf.

 

Glücklicherweise geraten nicht alle Konsumenten in eine Abhängigkeitsspirale, die daraus besteht, so oft wie möglich die Nebenwirkungen mit einer erneuten Einnahme zu kurieren. Die Mehrzahl „vergnügt“ sich nur zu ganz besonderen „Anlässen“ mit der Droge.

Gegen den täglichen Konsum entscheidet man sich jedoch nicht ganz freiwillig. Es ist schon ein kleiner innerer „Kampf“ vonnöten, denn für das Gehirn ist es unlogisch, auf eine so wunderbare Belohnung zu verzichten. Vor allem wenn die Möglichkeit zur Einnahme besteht. Genau dann, wenn eine Party ins Haus steht und das Konto ein beruhigendes Plus aufweist, ist die Verlockung groß, sich ein Näschen zu gönnen. Dennoch winken einige Konsumenten an dieser Stelle ab. Nach meinem ersten Kokainerlebnis war ich einerseits überwältigt von dem tollen Gefühl, andererseits auch ein wenig ängstlich. Ich hatte immer noch meine Vorbehalte gegen diese Droge und wollte um nichts auf der Welt davon abhängig werden (mir wurde immer suggeriert, daß der Konsum von Kokain hochgradig abhängig macht). Ich hatte regelrecht Angst vor einer Kokainabhängigkeit und entschied mich dafür, die Droge höchstens einmal im viertel Jahr zu konsumieren. Ich setzte dem Dopamin meine gesammelten Informationen über die Droge entgegen und bewirkte damit eine so genannte Dopaminhemmung. Anders gesagt: Es ist schwer, wenn man gleichzeitig Lust auf und Angst vor etwas hat, die Angst einfach zu ignorieren. Das Abwinken bei der Möglichkeit zum Konsum gründet demnach auf der Angst vor den Folgen der Drogenwirkung.

 

Obwohl gerade ausschließlich die Rede von Kokain war, verhält es sich bei den anderen Drogen ähnlich. Die Dopaminausschüttung vor und während des Inhalierens einer Zigarette ist zwar geringer als beim Kokain, doch durch die ständige Vorrätigkeit und die zahllosen „Anlässe“ sind viele Raucher gezwungen täglich dopaminhemmende Gedanken einzusetzen. Ohne diese Möglichkeit wären viele von ihnen zum Ketterauchen verdammt.

 

Was passiert beim Zwang zum Drogenkonsum?

 

Eine Antwort liefert uns die soeben entdeckte Dopaminhemmung. Denn nach einer Zwangssituation wird die treibende Wirkung des Dopamins bei der nächsten Gelegenheit zum Drogenkonsum ebenfalls gehemmt. In diesem Fall automatisch und ohne Einsatz von Willenskraft. Beispielsweise durch die Ängste vor der Droge selbst oder/und die Ängste, die aus der ersten Erfahrung mit der Droge gespeichert wurden (z. Bsp. bei erpresserischem Zwang).

 

Die „einmal und immer wieder“ Theorie wäre damit bewiesen: Das Dopamin ist schuld.  

 

(1)   Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

 

 

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