Unsere bisherigen
Ergebnisse haben wir fast ausnahmslos aus eigenen
Beobachtungen und Schlußfolgerungen zusammengetragen. Wir
leben jedoch im einundzwanzigsten Jahrhundert. Die Zeit
des bloßen Herumphilosophierens ohne wissenschaftliche
Grundlage ist vorbei. Mit unseren Erklärungen könnten wir
vielleicht die Aufmerksamkeit eines unbedeutenden Denkers
der vorchristlichen Zeit erwecken. Aber bei einer
wissenschaftlichen Untersuchung auf biochemischer
Grundlage hätten wir keine Chance.
Es reicht nicht, den
Menschen einfach nur zu beobachten und nach seinen
Empfindungen zu fragen, wir müssen uns etwas anderes
einfallen lassen.
Seit geraumer Zeit ist
bekannt, woher unser Denken kommt. Obwohl wir den Sitz der
„Seele“ gern in unserem Herzen hätten, sieht die Realität
mal wieder etwas komplizierter und unromantischer aus.
Denken und „Seele“, Freud und Leid entstehen – ganz profan
- in unserem Kopf. Genauer gesagt in unzähligen
miteinander verknüpften Nervenbahnen.
Und die sind
Bestandteil unserer zweiten Untersuchung. Wir tauchen ein
in die Welt der Neurotransmitter oder auch
Gehirn-Botenstoffe.
Vereinfacht ausgedrückt
sind Neurotransmitter Substanzen, die durch „Andockung“ an
verschiede Rezeptoren unterschiedliche Wirkungen (z.Bsp.
emotionale) hervorrufen. Sie können auch als eine Art
Schlüssel für ein vorhandenes Schloß gesehen werden. Paßt
ein solcher Schlüssel, öffnet sich „das Tor“ und es kommt
zu einer körperlichen oder emotionalen Reaktion.
Die folgende Tabelle faßt
kurz zusammen, welche Neurotransmitter (Schlüssel) im
Gehirn durch die Einnahme der einzelnen Drogen
freigesetzt, verstärkt bzw. nicht abgebaut werden.
Schüttet
Neurotransmitter (Schlüssel): Serotonin, Dopamin,
Noradrenalin, Adrenalin und Endorphine aus. Erhöht
Anzahl der Rezeptoren (Schlösser). Reduziert das Enzym
MAO-B, das für den Abbau von Dopamin und Serotonin
verantwortlich ist.
Alkohol:
Hemmt Noradrenalin und
verstärkt dadurch die Dopaminwirkung. Wirkt betäubend
auf verschiedene Rezeptoren. Verändert glutaminerges,
dopaminerges, serotoninerges und GABAerges (Gamma-Aminobuttersäure)
System sowie die Opiat Rezeptoren.
Cannabis:
Hemmt Freisetzung von
Glutamin, Wechselwirkung mit GABA, Glutamat, und
Dopamin. Verändert Serotoninkonzentration. Das
enthaltene THC ist Neurotransmitter für
Cannabinoidrezeptoren
Kokain:
Hemmt Wiederaufnahme
von Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, und Serotonin
Ecstasy:
Schüttet
Neurotransmitter: Serotonin (in großen Mengen),
Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin aus und hemmt deren
Wiederaufnahme
Heroin:
Hemmt Noradrenalin und
verstärkt dadurch die Dopaminwirkung. Wirkt auf
körpereigene Opiatrezeptoren, blockiert
Endorphinproduktion und tritt an die Stelle der
körpereigenen Endorphine
Amphetamin:
Schüttet
Neurotransmitter: Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin
aus und hemmt deren Wiederaufnahme
Wir können dieser Tabelle
die fünf wichtigsten Neurotransmitter entnehmen, die
während der Drogenwirkung für unsere Emotionen
verantwortlich sind.
Es sind: Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Adrenalin und
Endorphin.
Dopamin ist eine Vorstufe
von Adrenalin und Noradrenalin. Körperlich ist es an der
Regulierung der Durchblutung der Bauchorgane, vor allem
der Niere beteiligt. Einen wichtigeren Einfluß hat es auf
die Emotionen. Es wirkt vor allem im körpereigenen
Belohnsystem. Es ist wichtig für: den Antrieb, das
Wohlbefinden, die Gelassenheit und die Lebensfreude, die
kraftvolle, harmonische Bewegung, die Feinmotorik
(Fähigkeit zu uhrmacherartigen oder vergleichbaren
Arbeiten), den Mut, die Konzentration und die Reaktion,
die Befreiung von diffuser Angst, die vegetative Harmonie,
die optimale Funktion von Herz und Kreislauf und die
Aktivierung des Immunsystems.
Vereinfacht gesagt bedeutet das: Dopamin
steigert die Wahrnehmungsfähigkeit und ist für das
Empfinden von Glück, Freude und Zuversicht verantwortlich.
Bei wissenschaftlichen Untersuchungen wurde nachgewiesen,
daß Menschen, die an einer Psychose leiden, eine erhöhte
Dopaminkonzentration aufweisen und daher eine Art
„Wahrnehmungsgenies“ sind. Ein Abfall der
Dopaminkonzentration geht dagegen einher mit
Kraftlosigkeit, Desinteresse und Müdigkeit.
Achtung! Dopamin ist kein
„Glücksstoff“ an sich. Er dient lediglich als
Antriebsmotor und ist für die sogenannte Vorfreude
verantwortlich.
Serotonin:
Ein weiterer wichtiger
Neurotransmitter ist das Serotonin. Es ist ein Botenstoff
mit aktivierendem Einfluß auf verschiedene Organsysteme.
Es entsteht im
Organismus aus Tryptophan, das in pflanzlichen und
tierischen Geweben vorkommt und mit der Nahrung
aufgenommen wird. Serotonin wird im Gehirn, in der
Darmschleimhaut und in Blutplättchen gespeichert.
Serotonin hat, je nachdem auf welchen der insgesamt sieben
Rezeptoren es trifft, verschiedene Wirkweisen. Bei
Blutstillung aus Blutplättchen freigesetztes Serotonin
bewirkt lokal eine Gefäßverengung. In Skelettmuskeln
sitzende Serotonin-Rezeptoren vermitteln
Arterienerweiterung. Serotonin hemmt Magen- und
Dickdarmbewegungen und fördert die Verdauungstätigkeit des
Dünndarms. Am Herzen steigert Serotonin Pumpleistung und
Geschwindigkeit der Herzschläge.
Die größte Serotoninmenge
ist im Gehirn, wo es Stimmung, Schmerzwahrnehmung,
Körpertemperatur, Nahrungsaufnahme und den
Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflußt. Serotonin stellt
Wohlbefinden her und unterdrückt Schmerzen. Es hat
außerdem die Aufgabe, das Streßsystem des Körpers zu
reduzieren und notfalls abzuschalten. Der Mensch hat etwa
10 mg
Serotoninim Körper verteilt. Diese
Menge braucht er, damit es ihm gut geht. Wenn der
Serotoninspiegel sinkt, kippt die Stimmungslage.
Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Ängste oder
Depressionen sind die Folge. Auch auf den Appetit und das
Schmerzempfinden hat Serotonin einen Einfluß.
Die Adrenalin und
Noradrenalin-Freisetzung versetzt den Mensch in
Alarmbereitschaft und ist Teil des sogenannten fight/flight/fright-Urinstinkts
(angreifen/flüchten/fürchten): Alle Körperfunktionen die
zum Kämpfen oder Flüchten notwendig sind wie Atmung,
Blutdruck und Puls werden aktiviert. Durch die
Noradrenalinfreisetzung im Gehirn kommt es zu einer
gerichteten Aufmerksamkeit, und einem gesteigerten
Selbstbewußtsein (im Sinne von: "es ist okay und ich werde
es schaffen!"). Schmerzempfindung, Hunger und Durstgefühle
werden in kritischen Streß-Situationen gegen Null
reguliert. Noradrenalin ermöglicht zudem eine schnelle
geistige Reaktionsfähigkeit, fördert die Konzentration und
wirkt sich ebenfalls mindernd auf das Streßempfinden aus.
Sind diese beiden Botenstoffe nicht in ausreichender Menge
vorhanden, wird der Körper von Streßhormonen regelrecht
überflutet. Unwohlsein, Angst und Aufregung sind die
Folge.
Endorphine:
Endorphine (abgeleitet von
griechisch: endogenes – innen geboren und Morphine, also
im menschlichen Körper hergestellte Morphine) lassen einen
in extremen Belastungssituationen Schmerzen und Angst kaum
spüren, während sie gleichzeitig die Wahrnehmung schärfen.
Als natürliches Antistreßmittel stärken Endorphine
außerdem die Abwehrkräfte und sorgen in Grenzsituationen
für eine Gelassenheit, die sich zu rauschhafter Heiterkeit
steigern kann.