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Buch

Einleitung
Teil1 - Phil. Sichtweisen
Teil2 - Wiss. Erklärungen
         Im Kopf
         Wiss. Gewohnheitsfrage
         Wiss. Schuldfrage
         Wiss. Ergr. d. Schlechten
         Zusammenfassung
Teil3 - Lösungen
Teil4 - Standpunkte
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Teil2 - Wissenschaftliche Erklärungen - Im Kopf

 

Im Kopf

 

Von Schlüsseln und Schlössern

 

Unsere bisherigen Ergebnisse haben wir fast ausnahmslos aus eigenen Beobachtungen und Schlußfolgerungen zusammengetragen. Wir leben jedoch im einundzwanzigsten Jahrhundert. Die Zeit des bloßen Herumphilosophierens ohne wissenschaftliche Grundlage ist vorbei. Mit unseren Erklärungen könnten wir vielleicht die Aufmerksamkeit eines unbedeutenden Denkers der vorchristlichen Zeit erwecken. Aber bei einer wissenschaftlichen Untersuchung auf biochemischer Grundlage hätten wir keine Chance.

 

Es reicht nicht, den Menschen einfach nur zu beobachten und  nach seinen Empfindungen zu fragen, wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen.

 

Seit geraumer Zeit ist bekannt, woher unser Denken kommt. Obwohl wir den Sitz der „Seele“ gern in unserem Herzen hätten, sieht die Realität mal wieder etwas komplizierter und unromantischer aus. Denken und „Seele“, Freud und Leid entstehen – ganz profan - in unserem Kopf. Genauer gesagt in unzähligen miteinander verknüpften Nervenbahnen.

 

Und die sind Bestandteil unserer zweiten Untersuchung. Wir tauchen ein in die Welt der Neurotransmitter oder auch Gehirn-Botenstoffe.

 

Vereinfacht ausgedrückt sind Neurotransmitter Substanzen, die durch „Andockung“ an verschiede Rezeptoren unterschiedliche Wirkungen (z.Bsp. emotionale)  hervorrufen. Sie können auch als eine Art Schlüssel für ein vorhandenes Schloß gesehen werden. Paßt ein solcher Schlüssel, öffnet sich „das Tor“ und es kommt zu einer körperlichen oder emotionalen Reaktion.

 

Die folgende Tabelle faßt kurz zusammen, welche Neurotransmitter (Schlüssel) im Gehirn durch die Einnahme der einzelnen Drogen freigesetzt, verstärkt bzw. nicht abgebaut werden.

 

Tabelle (Neurotransmitter)

 

Nikotin:

Schüttet Neurotransmitter (Schlüssel): Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Endorphine aus. Erhöht Anzahl der Rezeptoren (Schlösser). Reduziert das Enzym MAO-B, das für den Abbau von Dopamin und Serotonin verantwortlich ist.

Alkohol:

Hemmt Noradrenalin und verstärkt dadurch die Dopaminwirkung. Wirkt betäubend auf verschiedene Rezeptoren. Verändert glutaminerges, dopaminerges, serotoninerges und GABAerges (Gamma-Aminobuttersäure) System sowie die Opiat Rezeptoren.

Cannabis:

Hemmt Freisetzung von Glutamin, Wechselwirkung mit GABA, Glutamat, und Dopamin. Verändert Serotoninkonzentration. Das enthaltene THC ist Neurotransmitter für Cannabinoidrezeptoren

Kokain:

Hemmt Wiederaufnahme von Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, und Serotonin

Ecstasy:

Schüttet Neurotransmitter: Serotonin (in großen Mengen), Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin aus und hemmt deren Wiederaufnahme

Heroin:

Hemmt Noradrenalin und verstärkt dadurch die Dopaminwirkung. Wirkt auf körpereigene Opiatrezeptoren, blockiert Endorphinproduktion und tritt an die Stelle der körpereigenen Endorphine

Amphetamin:

Schüttet Neurotransmitter: Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin aus und hemmt deren Wiederaufnahme

 

Wir können dieser Tabelle die fünf wichtigsten Neurotransmitter entnehmen, die während der Drogenwirkung für unsere Emotionen verantwortlich sind.

 

Es sind: Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Adrenalin und Endorphin.

Dopamin: (1)

 

Dopamin ist eine Vorstufe von Adrenalin und Noradrenalin. Körperlich ist es an der Regulierung der Durchblutung der Bauchorgane, vor allem der Niere beteiligt. Einen wichtigeren Einfluß hat es auf die Emotionen. Es wirkt vor allem im körpereigenen Belohnsystem. Es ist wichtig für: den Antrieb, das Wohlbefinden, die Gelassenheit und die Lebensfreude, die kraftvolle, harmonische Bewegung, die Feinmotorik (Fähigkeit zu uhrmacherartigen oder vergleichbaren Arbeiten), den Mut, die Konzentration und die Reaktion, die Befreiung von diffuser Angst, die vegetative Harmonie, die optimale Funktion von Herz und Kreislauf und die Aktivierung des Immunsystems.

Vereinfacht gesagt bedeutet das: Dopamin steigert die Wahrnehmungsfähigkeit und ist für das Empfinden von Glück, Freude und Zuversicht verantwortlich. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, daß Menschen, die an einer Psychose leiden, eine erhöhte Dopaminkonzentration aufweisen und daher eine Art „Wahrnehmungsgenies“ sind. Ein Abfall der Dopaminkonzentration geht dagegen einher mit Kraftlosigkeit, Desinteresse und Müdigkeit.

Achtung! Dopamin ist kein „Glücksstoff“ an sich. Er dient lediglich als  Antriebsmotor und ist für die sogenannte Vorfreude verantwortlich.

 

Serotonin:

 

Ein weiterer wichtiger Neurotransmitter ist das Serotonin. Es ist ein Botenstoff mit aktivierendem Einfluß auf verschiedene Organsysteme. Es entsteht im Organismus aus Tryptophan, das in pflanzlichen und tierischen Geweben vorkommt und mit der Nahrung aufgenommen wird. Serotonin wird im Gehirn, in der Darmschleimhaut und in Blutplättchen gespeichert. Serotonin hat, je nachdem auf welchen der insgesamt sieben Rezeptoren es trifft, verschiedene Wirkweisen.  Bei Blutstillung aus Blutplättchen freigesetztes Serotonin bewirkt lokal eine Gefäßverengung. In Skelettmuskeln sitzende Serotonin-Rezeptoren vermitteln Arterienerweiterung. Serotonin hemmt Magen- und Dickdarmbewegungen und fördert die Verdauungstätigkeit des Dünndarms. Am Herzen steigert Serotonin Pumpleistung und Geschwindigkeit der Herzschläge.

Die größte Serotoninmenge ist im Gehirn, wo es Stimmung, Schmerzwahrnehmung, Körpertemperatur, Nahrungsaufnahme und den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflußt. Serotonin stellt Wohlbefinden her und unterdrückt Schmerzen. Es hat außerdem die Aufgabe, das Streßsystem des Körpers zu reduzieren und notfalls abzuschalten. Der Mensch hat etwa 10 mg Serotonin im Körper verteilt. Diese Menge braucht er, damit es ihm gut geht. Wenn der Serotoninspiegel sinkt, kippt die Stimmungslage. Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Ängste oder Depressionen sind die Folge. Auch auf den Appetit und das Schmerzempfinden hat Serotonin einen Einfluß.

 

Noradrenalin und Adrenalin: (2)

 

Die Adrenalin und Noradrenalin-Freisetzung versetzt den Mensch in Alarmbereitschaft und ist Teil des sogenannten fight/flight/fright-Urinstinkts (angreifen/flüchten/fürchten): Alle Körperfunktionen die zum Kämpfen oder Flüchten notwendig sind wie Atmung, Blutdruck und Puls werden aktiviert. Durch die Noradrenalinfreisetzung im Gehirn kommt es zu einer gerichteten Aufmerksamkeit, und einem gesteigerten Selbstbewußtsein (im Sinne von: "es ist okay und ich werde es schaffen!"). Schmerzempfindung, Hunger und Durstgefühle werden in kritischen Streß-Situationen gegen Null reguliert. Noradrenalin ermöglicht zudem eine schnelle geistige Reaktionsfähigkeit, fördert die Konzentration und wirkt sich ebenfalls mindernd auf das Streßempfinden aus. Sind diese beiden Botenstoffe nicht in ausreichender Menge vorhanden, wird der Körper von Streßhormonen regelrecht überflutet. Unwohlsein, Angst und Aufregung sind die Folge.

 

Endorphine:

 

Endorphine (abgeleitet von griechisch: endogenes – innen geboren und Morphine, also im menschlichen Körper hergestellte Morphine) lassen einen in extremen Belastungssituationen Schmerzen und Angst kaum spüren, während sie gleichzeitig die Wahrnehmung schärfen. Als natürliches Antistreßmittel stärken Endorphine außerdem die Abwehrkräfte und sorgen in Grenzsituationen für eine Gelassenheit, die sich zu rauschhafter Heiterkeit steigern kann.

 

(1)   Lexikon der Neurowissenschaften

(2)   Mutschler, Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH

 

 

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