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Buch

Einleitung
Teil1 - Phil. Sichtweisen
         Der Stand der Dinge
         Das erste Mal
         Einmal und immer wieder
         Immer die anderen
         Gut vs. Schlecht
Teil2 - Wiss. Erklärungen
Teil3 - Lösungen
Teil4 - Standpunkte
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Teil1 - Philosophische Sichtweisen - Immer die anderen!

 

Immer die anderen!

 

Wer ist schuld?

 

Im Folgenden betrachten wir die Umstände, die einen klugen Menschen dazu verleiten, Drogen zu nehmen.

 

Wir wissen bis jetzt lediglich, daß es in unserer Welt - zumindest in unseren Breitengraden - nicht mit Zauberei zugeht, wenn sich „normale“ Menschen scheinbar über Nacht in düstere Drogenabhängige verwandeln. Doch wer ist dafür verantwortlich? Wer oder was treibt uns dazu, uns mit künstlichen oder natürlichen Giften vollzupumpen? Oder sind wir sogar selber schuld?

 

Eine Selbstverschuldung, die mit einer natürlichen Veranlagung einhergehen würde, können wir guten Gewissens von uns weisen. Denn gesetzt dieses Falles, würden alle Menschen Drogen konsumieren und das bereits seit einhundert, fünfhundert oder fünftausend Jahren. Die Erde war jedoch bislang zu jeder Zeit auch von Menschen bevölkert, die nachweislich „clean“ waren. Weiterhin hätten die mit uns in enger Verwandtschaft stehenden Affen bei einer natürlichen Veranlagung zum Drogenkonsum längst einen Weg gefunden, um sich kollektiv zu berauschen.

 

Ihr Einwand könnte lauten, daß Drogenkonsum eine Erbkrankheit ist, die nur einen Teil der Bevölkerung betrifft. Schließlich gab es zu jedem beliebigen Zeitpunkt auf der Erde neben nicht konsumierenden auch konsumierende Menschen (bzw. Tiere Giorgio Samorini „Liebestolle Katzen und berauschte Kühe“). Der Konsum von Drogen scheint demnach in einem unserer Gene festgeschrieben zu sein. Gene unterscheiden sich bekanntlich von Mensch zu Mensch und so könnte es möglich sein, daß bei einem Teil der Bevölkerung das „Drogen-Gen“ vorhanden oder „aktiviert“ ist und bei dem anderen Teil nicht.

Da ich fast neun Jahre meines Lebens aktiver Konsument der verschiedensten Drogen war, wäre es in diesem Fall nicht von der Hand zu weisen, mich als Inhaber eines solchen Gens zu bezeichnen. Aber wie kann es sein, daß nach diesen neun Jahren bei mir jegliche Art von Drogenverlangen verschwunden ist? Stirbt so ein Gen nach neun Jahren ab, genau zu dem Zeitpunkt wenn man es sich vornimmt? Wenn ja, was ist dann mit Onkel Fred, der seit vierzig Jahren raucht und trinkt? Ich denke mit solch einer Theorie können und wollen wir uns nicht zufrieden geben.     

 

Aber was ist es dann, was treibt uns dazu, uns freiwillig zu gefährden?

 

Aus dieser Frage ließe sich leicht auf einen, in uns schlummernden Selbstzerstörungstrieb schließen. Aber mal ehrlich, glauben Sie daran? Wenn tatsächlich neunzig Prozent der Bevölkerung davon betroffen wären, dürfte die Selbstmordrate um einiges höher liegen. Außerdem würde es dann keinen Raucher geben, der Angst davor hätte, scheinbar verseuchte Nahrung zu sich zu nehmen. Und zumindest mir sind einige Raucher bekannt, die zu den Blütezeiten der BSE-Manie auf Rindfleisch verzichtet haben.

 

Nein, wir brauchen uns keine Vorwürfe mehr zu machen. Schuld an unserer Sucht sind eindeutig die anderen.

 

Wenn Sie das Kapitel „das erste Mal“ aufmerksam gelesen haben, oder sich an Ihr eigenes erinnern, dürfte Ihnen auffallen, daß das soziale Umfeld einen erheblichen Einfluß auf die eigene Drogenkarriere hat. Es bietet sich demzufolge an, den oder die Übeltäter in unseren Mitmenschen zu suchen.

 

„Das ist ja toll!“ werden Sie jetzt denken, „Da gaukeln die mir vor, gute Freunde zu sein und reiten mich in eine Situation hinein, die mir das Leben erschwert oder gar zur Hölle macht. Denen werd ich´s zeigen…“

 

Bevor Sie von der Selbstjustiz gebrauch machen, bitte ich Sie kurz inne zu halten und dann weiter zu lesen. Untersuchen wir einmal näher, wie Ihr Freund (oder Kollege oder Bekannter oder Verwandter oder, oder, oder) es geschafft hat, Ihnen so etwas anzutun? Hat er Sie gezwungen? Hat er Sie erpreßt? Wie Sie bereits wissen, werden aus erpreßten und gezwungenen Erstkonsumenten keine Abhängigen. Der Entschluß zu konsumieren lag bei Ihnen. Sie wollten es. Den Anstoß gab aber Ihr Freund. Was hat er getan? Was hat er gesagt? Mit Sicherheit hat Ihnen Ihr Freund etwas anderes erzählt, als mir meiner. Dennoch können wir davon ausgehen, daß es eine wichtige Parallele gibt. Keiner unserer Freunde wird etwas Ähnliches behauptet haben wie: „Hey, probier mal. Ich garantiere Dir auch, daß du in ein paar Jahren elendig daran verrecken wirst“. Nein, sie haben uns nicht mit den schlimmen Spätfolgen gedroht. Vielmehr haben sie in den höchsten Tönen von der Droge geschwärmt. Und das nicht, mit dem versteckten Motiv, uns etwas Böses anzutun. Alles was sie uns über die Droge erzählt haben, meinten sie von Grund auf ehrlich. Selbstverständlich reichte ein einziger, die Droge verherrlichender Satz nicht aus, uns umzustimmen. Wir vertraten ja vorher die Meinung, niemals Drogen zu konsumieren. Vielmehr war es ein Prozeß, der damit in Gang gesetzt wurde, dem wir uns unter den gegebenen Umständen nicht widersetzen konnten. In der darauffolgenden Zeit begann unser Gehirn zu rotieren. Die alten Informationen, die wir über die Droge abgespeichert hatten, wurden mit den neuen verglichen und nach und nach durch Sie ersetzt. Hatten wir früher daran geglaubt, die Droge bringe uns nur Elend, wurde uns jetzt suggeriert, daß es ein Riesenspaß sei, „drauf“ zu sein. Waren wir früher der Meinung, die Droge ruiniere uns sowohl körperlich als auch seelisch, ersetzten wir diese Stück für Stück mit dem Bild unseres fröhlichen Freundes. Glaubten wir früher noch an den raschen Tod, wurde diese Ansicht durch die Präsentation eines recht alten – aber noch lebenden – Konsumenten verdrängt. Nach und nach – und lange vor dem ersten Konsum – vollzog sich eine Umprogrammierung in unserem Gehirn. Bis eines Tages die Aktualisierung unserer Programme abgeschlossen war.

Wichtig bei dieser Erkenntnis ist nicht, ob es tatsächlich ein Freund, ein verehrter Filmstar oder ein glücklicher Cowboy im Werbespot war, der den „Stein ins rollen“ brachte. Wichtig ist die Erkenntnis, daß wir umprogrammiert wurden. Die Droge und ihre angeblich positiven Wirkungen wurden uns so lange vor Augen gehalten, bis wir selbst daran glaubten.

Ich fasse zusammen: Nicht wir sind Schuld an unserem Konsum. Die Schuld trifft unser soziales Umfeld, welches uns solange – ungewollt - mit Lügen bombardiert hat, bis wir nicht mehr anders konnten, als es zu glauben und für richtig zu halten.

 

„Jetzt mach mal halblang“ höre ich Sie protestieren. „Wieso sollten die mich belügen? Was war denn mit dem ersten Menschen, der diese Droge konsumiert hat? Wer sollte dem denn irgendwelche Lügen erzählt haben?“

 

Da gebe ich Ihnen recht. Es scheint noch etwas anderes zu geben, was mit der Schuld an unserem Dilemma leben muß. Alles was bleibt - wie sollte es anders sein - ist die Droge an sich. Unser Umfeld kann uns dazu bringen, die erste Dosis zu nehmen, doch hätte man uns kalte Asche schön geredet, wären unserem ersten Konsum wahrscheinlich noch maximal zwei drei weitere gefolgt, bis wir mitbekommen hätten, was für ein Blödsinn wir da eigentlich treiben. Das hinterhältige an Drogen ist, daß Sie tatsächlich eine angenehme Wirkung haben und dadurch den Eindruck erwecken, eine wirkliche Bereicherung zu sein. Der erste Konsument einer Droge hatte vorerst nur das schöne Gefühl, womit es ein Leichtes war, seine Artgenossen davon zu überzeugen, doch auch mal zu probieren.

 

Wir können demzufolge davon ausgehen, daß die Drogenwirkung die Hauptverantwortung für den derzeitigen Massenkonsum trägt. Doch ohne die kommunikativen Menschen, die sich gegenseitig immer wieder von der schönen Wirkung der Droge berichtet haben – und immer noch fleißig weiterberichten -, wäre es wohl nie zu einer so epidemischen Ausbreitung gekommen. Unsere haarigen Verwandten haben daher lediglich „Pech“, das sie nicht über eine große Distanz mit anderen Artgenossen kommunizieren können und noch keinen Zugang zum Internet haben. Entdeckt ein Affe eine Droge, freut er sich und konsumiert sie. Vielleicht schafft er es sogar seinen Kollegen davon zu überzeugen, auch mal zu probieren. Den verfeindeten Nachbaraffenstamm wird die Nachricht von der leckeren Frucht aber nicht mehr erreichen

 

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