Teil1 - Philosophische Sichtweisen
- Das erste Mal
Das Erste Mal
Warum gehen wir „klugen“
Menschen den Drogen nicht einfach aus dem Weg?
Warum hat der Junge aus
unserem Gedankenspiel damit angefangen sich brennende
Stangen in den Mund zu stecken?
Wir haben, im Gegensatz zu
den Thalianern, die Möglichkeit mehr über den Jungen zu
erfahren. Wir sehen ihn nicht nur auf stummen Bildern. Wir
können ihm zuhören und nehmen den gesellschaftlichen und
kulturellen Einfluß auf ihn war. Nach einigen Recherchen
kommen wir zu dem Schluß, daß verschiedene Faktoren für
sein „erstes Mal“ verantwortlich sind.
Im Laufe seines Lebens
saugte er allerhand Informationen über das Rauchen in sich
auf:
Da war im Alter von 10
Jahren der Videofilm in der Schule, in dem eine schwarze
Raucherlunge gezeigt und die zahlreichen Nachteile, die
ein Raucherleben mit sich bringt, erklärt wurden. Er
schwor sich im Anschluß, niemals auch nur eine Zigarette
in seinen Mund zu stecken. Kurz darauf suggerierten ihm
zahlreiche Plakatwände, daß die Freiheit nicht ohne
Marlboro zu erreichen sei. Er nahm die Botschaft
unterbewußt und ohne dagegen zu rebellieren auf. Es
verstrichen ein paar Jahre, die ihn in der Sicherheit
wogen, niemals mit dem Rauchen anzufangen; denn
schließlich kannte er die Gefahren.
Mittlerweile war er fast
fünfzehn Jahre alt und mitten in der Pubertät. Die coolen
Jungs aus seiner Klasse hatten sich bereits mit den
kleinen Glimmstengeln angefreundet. Sein Interesse wuchs.
Warum war es verboten, wenn es doch fast alle taten?
Sollte er wirklich die im Videofilm gesehenen
Horrorszenarien durchmachen müssen? Warum hatte er auch
alte Männer - scheinbar zufrieden - rauchen gesehen? Was
war also so schlimm daran? Wollte man ihm etwas
vorenthalten? Selbst Winnetou raucht schließlich - eine
Pfeife.
Er spielte bereits ein
wenig mit dem Gedanken es zumindest einmal zu probieren.
Seine rauchenden Freunde redeten weiter auf ihn ein. Er
zögerte noch ein paar Tage. Dann war er so weit.
Der junge Mann hatte keine
Chance. Er konnte der Versuchung nicht widerstehen. Die
Frage, nach dem genauen Auslöser für seinen Griff zum
Glimmstengel, soll an dieser Stelle noch unbeantwortet
bleiben. Unser Interesse wecken vorerst die anderen
Drogen. Wie verhält es sich bei Alkohol, Cannabis, Speed,
Ecstasy, Kokain und Heroin? Ist es auch bei diesen Drogen
so schwer, sich vor ihrem Konsum zu schützen?
Bei Alkohol ist die
Hemmschwelle der meisten Menschen bereits lange vor dem
ersten Konsum kaum vorhanden. Wir bekommen als Teenager
ganz nebenbei mit, daß Alkohol eine Droge ist, die schwere
Erkrankungen nach sich zieht. Im Gegensatz zum Inhalieren
von Qualm ist das Trinken eines überall erhältlichen
„Durstlöschers“ aber nichts Ungewöhnliches. Trinken, daß
lernen wir von klein auf, ist lebenswichtig. Rauchen, auch
das lernen wir, ist schädlich. Zudem sehen wir kaum einen
Film im Fernsehen, in dem kein Alkohol getrunken wird. Und
spätestens nach dem Besuch unserer ersten Party wissen wir
es. Alkohol gehört dazu. Er verbreitet eine prima Stimmung
und das anfängliche Erbrechen, sowie der Kater am nächsten
Morgen, gelten vor allem unter jungen Männern als eine Art
Eintrittskarte ins Erwachsenenleben. Also: „ran an den
ersten Schluck!“
Große Diskussionen um
Legalität und Illegalität kreisen seit einigen Jahren um
eine andere, Qualm erzeugende Droge. Die Rede ist von
Cannabis, THC, Gras oder wie auch immer das grüne Kraut in
Ihren Breitengraden genannt wird. Nichtkiffern wird die
Entscheidung zum Konsum relativ leicht gemacht. Der Handel
mit der Droge ist zwar verboten aber wegen einem Zug am
Joint wurde bislang noch niemand eingebuchtet. Außerdem
kommt man ohne große Mühe an zahlreiche Publikationen
heran, die von der Harmlosigkeit und der
gesundheitsfördernden Kraft der grünen Pflanze schwärmen.
Diese - von anderen Hanffreunden in die Welt gesetzte -
Beeinflussung macht die Hemmschwelle bereits fast dem
Erdboden gleich. Lassen sich zudem, im eigenen
Bekanntenkreis, noch ein paar kiffende Zeitgenossen
finden, die von der beruhigenden Wirkung, der
Spiritualität und der Bewußtseinserweiterung schwärmen,
sollte das erste Mal in greifbare Nähe rücken. Ist dann
auch noch jemand so nett, ein kleines Stückchen oder
Büschchen zu besorgen, dürfte es endgültig schwer fallen
nein zu sagen.
Weiter geht es mit den
„lustigen“ Pillen und den weißen Pulverlinien. Ein Garant
für jede Party sind die immer beliebter werdenden so
genannten Designerdrogen. Fast jeder angehende Konsument
sollte mittlerweile darüber aufgeklärt sein, daß diese
Drogen schon so manchen Discogänger dazu gebracht haben,
ein letztes Mal nach Luft zu schnappen. Aber Schwamm
drüber und rein in die Nase (oder den Mund). Die
grinsenden Gesichter der anderen verraten einem ja doch
die Wahrheit. Willst du die Party deines Lebens? Dann
greif zu!
Auch das in meiner
Kindheit so verteufelte Kokain – ich stellte es immer auf
eine Stufe mit Heroin - gewinnt immer mehr an Beliebtheit.
Wie können sich die Friedmänner, Daums und Wecker dieser
Welt irren? Der hohe Preis läßt lediglich einen Vergleich
mit Champagner aufkommen, als daß er abschreckend wirkt.
Also: Röhrchen in die Nase und hinter damit! Und mal
ehrlich; fühlt man sich danach nicht großartig?
Wir schließen unseren
kleinen Exkurs mit „der Droge schlechthin“. Es ist die
einzig wahre Droge. Sie verkörpert das, was wir im
allgemeinen unter Droge verstehen. Sie ist der Inbegriff
für zudröhnen und sofort ganz tief fallen. Wir sehen, wenn
wir ihren Namen hören sofort halbtote Junkiezombies vor
uns. Wenn irgendein Stoff den Namen Droge verdient, dann
ist es Heroin. Zu ihm erhalten nur einige auserwählte
Zugriff. – Denn wer findet schon so schnell jemanden in
seinem Bekanntenkreis, der Heroinsüchtig ist? Man muß
wenigstens den Bahnhof sein Heim nennen, um die richtigen
Kontakte zu knüpfen. Oder ist auch das nur ein Klischee?
Besteht nicht auch für jeden anderen die „Chance“ einmal
den Mut aufzubringen, um zu merken was für ein tolles
Gefühl der erste Schuß bringt?
Wir können unsere kleine
Abhandlung über das „erste Mal“ an dieser Stelle beenden,
obwohl uns klar sein sollte, daß wir längst nicht alle
erhältlichen Drogen aufgezählt haben. Aber dazu besteht
auch kein Anlaß, denn wichtig ist lediglich, die gewonnene
Erkenntnis, daß unter bestimmten Umständen, kein
Mensch vor dem „ersten Mal“ gefeit ist.
Die nächste Frage lautet: Was passiert nach dem „ersten
Mal“?