aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dieser Artikel befasst sich mit dem Getränk
Kaffee, andere Bedeutungen unter
Kaffee (Begriffsklärung).
Kaffee (v.
türk. kahve; aus
arab.: qahwa = anregendes Getränk, auch:
Wein) ist ein schwarzes,
koffeinhaltiges
Heißgetränk.
Kaffee wird aus
gerösteten (Röstkaffee) und gemahlenen
Kaffeebohnen hergestellt. Röst- und Mahlgrad
variieren je nach Zubereitungsart. Kaffee enthält das
Vitamin
Niacin, dem positive Eigenschaften für den
Darm nachgesagt werden.
Kaffee wird heute in über 50 Ländern weltweit
angebaut.
Allgemeines
Die Zubereitungsart von Kaffee ändert sich je nach
Kultur, nationalen Gepflogenheiten oder persönlichem
Geschmack. Grundsätzlich können vier Zubereitungsarten
unterschieden werden:
- Beim in
Deutschland, der
Schweiz und den
USA weit verbreiteten Filterkaffee wird
siedendes
Wasser durch das
Pulver gemahlener Kaffeebohnen gefiltert.
- Unter anderem in
Italien wird
Espresso getrunken, bei dem Wasser unter hohem
Druck (9-15 bar) durch den feingemahlenen Kaffee
geleitet wird (Extraktion)
und dabei einen Schaum aus Kaffeeölen bildet, die
Crema.
- Bei der Zubereitung von Türkischem Kaffee (Türkei,
Balkanländer) wird der gemahlene Kaffee gemeinsam
mit
Zucker und Wasser in einem speziell dafür
konzipierten, leicht
konischen Kaffeekännchen aufgekocht.
- Eine in
Frankreich sehr beliebte Methode des Kaffeekochens
wird mittels der
French Press oder Presstempelkanne bewerkstelligt.
Ähnlich wie beim türkischen Kaffee wird dabei das
Kaffeepulver direkt in das heiße Wasser gegeben, und
nach einer Weile mittels eines Metallsiebes
abgetrennt.
Die so genannten
Kaffeebohnen werden aus Steinfrüchten verschiedener
Pflanzenarten aus der Familie der
Rubiaceae gewonnen. Die beiden wichtigsten Arten der
Kaffeepflanze sind Coffea arabica (Arabica-Kaffee)
und C. canephora (Robusta) mit vielen
Sorten/Varietäten. Je nach Art der Kaffeepflanze, Sorte
der Kaffeebohne und Anbauort gibt es unterschiedliche
Qualitätsstufen. So gilt Kaffee aus Robusta-Bohnen
als minderwertiger als der aus reinem Arabica.
Als seltenste Kaffeesorte der Welt gilt der
Kopi Luwak aus
Indonesien.
Auf Basis dieser vier Grundzubereitungen gibt es
heute hunderte von Kaffeerezepten und Tausende von
Rezepten, die Kaffee verwenden. Für viele Arten der
Zubereitung gibt es spezielle
Kaffeemaschinen.
Löslicher Kaffee ist Kaffeepulver, der nur durch
Zugabe von heißem Wasser zubereitet wird und ohne
weitere Zubereitungsschritte getrunken werden kann.
Zubereitungsarten (Auswahl)
-
Caffè Americano – Espresso der mit heißem
Wasser oder
Spirituosen verlängert wurde (in Südamerika häufig
serviert)
-
Café frappé – besonders in Griechenland beliebt;
mit Eiswürfeln servierter, kalt aufgeschäumter
Instantkaffee mit Zucker, aber ohne Milch
-
Café au lait – französische Variante des
Milchkaffees
-
Café Crème – französisch; ähnlich dem
Cappuccino
-
Caffè Corretto –
Espresso mit
Grappa oder anderen Spirituosen
-
Caffè Latte – italienische Variante des
Milchkaffee
-
Cappuccino – je ein Drittel
Espresso, heiße Milch und Milchschaum
-
Doppio – doppelter
Espresso
-
Einspänner – österreichisch; starker Kaffee im
Glas mit viel
Schlagobers (Sahne)
-
Espresso - sehr starker Kaffee ohne
Milch und
Zucker (in kleinen Portionen serviert)
-
Griechischer Kaffee – zwei bzw. dreifach
aufgekochter starker Kaffee, ähnlich türkischem Mokka
-
Irish Coffee – Kaffee mit
Whiskey und halbfester Sahne
-
Kaisermelange – wie Melange, nur mit einem
Eidotter im Kaffee
- Kaffee crème - schweizerisch; Kaffee mit Sahne
-
Kaffee verkehrt – österreichisch; wie Melange, nur
wird zuerst die aufgeschäumte Milch eingeschenkt, dann
der Kaffe zugegeben und mit Traubenzucker verfeinert.
-
Latte Macchiato – warme Milch mit einem vorsichtig
zugegebenem
Espresso
-
Lungo –
Espresso bei dem etwas mehr Wasser verwendet
wurde (bis zu 50 ml)
-
Melange – österreichisch; selbe Menge Kaffee und
Milch, meist mit ein wenig Milchschaum (ähnlich
Cappuccino)
-
Mokka – österreichisch; starker Kaffee ohne Milch,
vergleichbar dem
Espresso
-
Pharisäer –
nordfriesisch starker Kaffee mit
Rum und Haube aus halbfester Sahne
-
Ristretto –
Espresso mit sehr wenig Wasser (15-20 ml statt
der üblichen 25 ml)
-
großer Schwarzer (auch großer
Mokka) – österreichisch; doppelter
Espresso ohne Milch in großer Tasse
-
kleiner Schwarzer (auch kleiner
Mokka) – österreichisch; einfacher
Espresso ohne Milch in kleiner Tasse
-
Verlängerter – österreichisch; mit etwa doppelter
Menge Wasser zubereiteter
Espresso
-
Luzerner Kafi – schweizerisch; teefarbener, dünner
Kaffee mit Zucker und
Träsch (auch als Kafi Träsch bekannt)
Teilweise gibt es unterschiedliche Auffassung von
Land zu Land, welche Benennung auf welche
Zubereitungsart zutrifft. In Spanien gibt es im
Allgemeinen nur drei Arten: den café solo
(schwarz),
cortado (mit gesüßter Kondensmilch und etwas
Milch) und café con leche (Milchkaffee), die sich
nur durch die Menge der zugegebenen Milch unterscheiden.
Malzkaffee (ugs. Muckefuck) wird zwar
Kaffee genannt, enthält aber
Malz und ähnelt diesem geschmacklich nur wenig (z.B.
Caro-Kaffee). Er ist ein
Surrogat für Kaffee und somit u.a. für Kinder
geeignet.
Geschichte
Nach einer Legende fiel einst einem Hirten auf, dass
ein Teil seiner
Ziegen, die von einem Strauch mit weißen Blüten und
roten Früchten gefressen hatten, munter umhersprang,
während die anderen müde waren. Als der Hirte selbst die
Früchte des Strauches versuchte, stellte er auch bei
sich eine belebende Wirkung fest. Somit haben wohl
Ziegen die Kaffeebohne entdeckt.
Es wird angenommen, dass die
Provinz
Kaffa in
Äthiopien das Ursprungsland des Kaffees ist. Dort
wurde er bereits im
9. Jahrhundert erwähnt. Von Äthiopien gelangte der
Kaffee nach
Arabien. Handelszentrum war die Hafenstadt
Mocha, auch Mokka genannt, im
Jemen. Die äthiopische Zubereitungsart bzw.
Kaffeetradition ist wohl die ursprünglichste: Nach dem
Rösten der Bohnen in einer großen Eisenpfanne werden
diese grob gemahlen oder im Mörser zerstampft. Das
Mahlgut wird mit Wasser und Zucker in der sog. Jebena
(einem bauchigen Tonkrug ähnlich einer
Karaffe) aufgekocht und in kleine Schalen serviert.
Mit dem Aufstieg des
osmanischen Reiches wurde das Getränk immer
beliebter. Das erste
Café entstand in
Persien.
1645 wurde in
Venedig das erste europäische Kaffeehaus eröffnet.
Wien folgte
1683 mit dem ersten
Wiener Kaffeehaus nach, nachdem beim
Kampf gegen die Türken 500 Sack Kaffee erbeutet
worden waren, und wurde zur klassischen Kaffeehausstadt.
In Deutschland wurde Kaffee erstmals
1673 in
Bremen ausgeschenkt. Hier entstand dann 1697 das
Bremer Kaffeehaus im Haus Schütting. Der Kaffee war
ursprünglich sehr teuer, deshalb konnten sich nur
gutsituierte
Bürger und
Aristokraten das aromatische Getränk leisten.
Honoré de Balzac trank stets sehr viel starken
Kaffee, um wach zu bleiben; er arbeitete meist zwölf
Stunden am Tag.
Ludwig van Beethoven hatte es sich angewöhnt, genau
60 Kaffeebohnen abzuzählen um daraus eine Tasse
Mokka zu brauen.
Der teure und seltene Kaffee wurde von ärmeren
Bevölkerungsschichten und in Krisenzeiten durch
Ersatzprodukte wie
Muckefuck ersetzt.
In einigen Ländern hat sich der nachmittägliche
Genuss von Kaffee als eigene
Mahlzeit Kaffee etabliert.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Kaffeeindustrie in Deutschland ist ein
Oligopol: sechs Anbieter (Tchibo,
Aldi u.a.) teilen sich 85 % des Marktes.
Durch den Verfall des Kaffeepreises, an dem vor allem
auch das genannte
Oligopol maßgeblichen Anteil hat, ist der Preis für
Kaffee auf ein Niveau gesunken, das in den letzten 50
Jahren noch nie unterboten wurde: Im Jahresdurchschnitt
mussten
2001 für 500 g Kaffee lediglich 3,28
Euro bezahlt werden.
Den größten Kaffeekonsum der Welt haben die
Finnen. Jeder Einwohner
Finnlands konsumierte
1998 11,3 kg Kaffee, was insgesamt 1.737 Tassen pro
Jahr beziehungsweise 5 Tassen pro Tag und Person
entspricht. Den größten Gesamtverbrauch haben die
USA, 1998 betrug er schätzungsweise 1.148.000 t
(Finnland: 58.000 t). Umgerechnet auf den einzelnen
Bewohner der
USA, entsprechen diese Zahlen 4,2 kg bzw. 646 Tassen
pro Jahr (1,8 pro Tag).
Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche 4 Tassen Kaffee
am Tag, das entspricht 160 Liter bzw. 6,7 Kilo pro Jahr.
Damit ist Kaffee noch vor
Bier das beliebteste Getränk der Deutschen.
In Deutschland unterliegen Kaffee und kaffeehaltige
Waren einer zusätzlichen
Verbrauchsteuer, der Kaffeesteuer. Diese
macht mit 2,19 €/kg Röstkaffee (Stand
2004) einen nicht unerheblichen Anteil des
Kaffeepreises aus. Die jährlichen Einnahmen aus dieser
Steuer belaufen sich auf rund 1
Mrd.
Euro.
Im
Fairen Handel, als dessen klassisches Produkt Kaffee
gilt, wird versucht, die schwierige wirtschaftliche Lage
der Produzenten im gesamten Handelsprozess zu
berücksichtigen und faire Bedingungen zu schaffen.
Arten der Kaffeeröstung
Unterschiedliche Röststufen - von ungeröstet
bis zur Italienischen Röstung
Eine nachteilige Wirkung des Kaffees besteht darin,
dass er den
Insulinspiegel und
Blutzucker abrupt anheben, das körpereigene
Gleichgewicht durcheinanderbringen und die
Bauchspeicheldrüse negativ beeinflussen kann.
Insbesondere Personen mit Pankreatitis
(Bauchspeicheldrüsenentzündung) ist der Konsum von
Kaffee strikt verboten. Diabetiker sollten Kaffee
ebenfalls meiden oder allenfalls sehr geringe Mengen zu
sich nehmen. Koffein kann in größeren Mengen genossen
auch zu Überreizungen der
Magenschleimhaut führen. Die landläufige Meinung,
dass Kaffee mit Milch diesen Effekt abschwächt ist
falsch. Wenn Kaffee mit Milch getrunken wird, ist eine
Reizung der Magenschleimhaut sogar wahrscheinlicher. Das
Koffein vermengt sich mit dem Fett der
Milch, welches sich an den Magenschleimhäuten
anlegt. So sind die Magenschleimhäute einer höheren
Konzentration von Koffein über einen längeren Zeitraum
ausgesetzt, als dies der Fall wäre beim Kaffee ohne
Milch.
Nach dem Aufbrühen kann der Kaffeesatz wegen seines
hohen
Stickstoff-Gehaltes noch als guter
Garten-Dünger
verwendet werden. Sein hoher Gehalt an
Kalium,
Phosphor und anderen
Mineralstoffen ist gut für die Pflanzenentwicklung.
Viele Gärtner schwören auf Kaffeesatz als
Rosendünger.
Kaffeesatz ist auch ein hervorragendes
Handwaschmittel für stark verschmutzte und beanspruchte
Hände. Durch die körnige Struktur wirkt es leicht
schmirgelnd und die Öle machen ein nachträgliches
Einfetten überflüssig.
Kaffeesatz ist unter anderem auch ein hervoragendes
Wurmfutter für die Wurmhälterung von
Tauwurm (Lumbricus terrestris) oder
Kompostwurm.