Bitte versetzen Sie
sich einmal in die Lage eines der thalianischen Forscher:
Sie beginnen mit der
Beobachtung Ihrer beiden „Sprößlinge“, an deren fünftem
Geburtstag. Während Ihres gesamten Arbeitstages sitzen Sie
vor zwei Monitoren. Ihre Arbeit bereitet Ihnen große
Freude, da Sie sich in Ihren „Sprößlingen“ wiedererkennen
und häufig Erinnerungen an Ihre eigene Jugend wachgerufen
werden. Es vergehen wunderbare Jahre. Ihnen ist, als
hätten Sie zwei eigene Kinder auf der Erde. Sie
beobachten, wie beide größer werden und die Höhen und
Tiefen des Lebens durchmachen. „Gemeinsam“ stehen Sie die
verschiedensten Probleme und Problemchen mit ihnen durch
und teilen jeden, auch noch so kleinen Erfolg Ihrer
„Schützlinge“. Sie freuen sich darüber, daß beide gern
Sport treiben und fiebern mit, als sie sich langsam dem
anderen Geschlecht nähern. Letztendlich erstaunt sie immer
wieder die verblüffende Ähnlichkeit zwischen dem Leben auf
der Erde und dem Leben auf dem Thal.
Eines Tages macht der von
Ihnen beobachtete junge Mann eine ungewöhnliche Erfahrung.
Er bekommt von einem Artgenossen eine kleine dünne Stange
geschenkt, steckt sie sich leicht zögernd in den Mund,
kramt ein Feuerholz aus seiner Tasche und zündelt an ihr
herum. Einen Moment später beginnt er kräftig zu Husten,
stößt Rauch aus und fängt an zu lachen. Sein Gegenüber
amüsiert sich köstlich darüber und saugt dabei völlig
unbekümmert an seiner eigenen Stange.
Dieses erstaunliche
Erlebnis begleitet Sie noch für den Rest des Tages. Sie
wundern sich über das unerklärliche Verhalten der beiden
Erdlinge. Es würde Ihnen niemals in den Sinn kommen, sich
etwas Brennendes in den Mund zu stecken. So sehr Sie sich
auch anstrengen, es fällt Ihnen keine plausible Erklärung
ein.
In den folgenden Wochen
beobachten Sie, wie Ihr „Schützling“ sich immer wieder dem
„Stangenritual“ hingibt. Mit der Zeit scheint er sich
daran zu gewöhnen und stellt das Husten ein. Ihre
Verwunderung läßt nach. Sie akzeptieren das Verhalten als
etwas typisch erdisches. Da Ihr weiblicher „Schützling“
diesem Zeitvertreib nicht nachgeht, erklären Sie es
kurzerhand für etwas typisch Männliches. Sie ärgern sich
sogar darüber, daß Sie wohl niemals in den Genuß kommen
werden, sich eine kleine, brennende „Stange der Menschen“
in den Mund zu stecken.
Etwa zwei Monate später
fällt Ihnen auf, daß der junge Mann ständig ein Päckchen
mit vielen kleinen Stangen bei sich trägt und immer öfter
eine davon in seinem Mund steckt. Selbst wenn er allein
ist, kann er nicht die Finger davon lassen. So langsam
stellen sich bei Ihnen erste Zweifel an der Theorie von
dem netten „Ritual“ ein. Sie bemerken, daß es in dem
Umfeld Ihres „Schützlings“ junge Männer gibt, die noch nie
an diesem „Ritual“ teilgenommen haben. Sie verschärfen
Ihre Aufmerksamkeit und hoffen, eine baldige Erklärung für
das Verhalten zu finden.
Vorerst werden Sie aber
Zeuge eines weiteren, ungewöhnlichen Schauspiels:
Ihr „Schützling“ sowie
andere junge Männer nehmen ein schäumendes Getränk zu sich
und fangen wenig später an, viel zu lachen, wild zu
gestikulieren und fröhlich zu sein. Ihnen gefällt das und
Sie freuen sich mit ihnen. Sie wundern sich nur, als etwas
später die Mimik und Gestik der Jungs etwas unkontrolliert
wird. Einige schwanken durch den Raum, anderen fällt es
schwer, überhaupt noch gerade zu stehen. Kurz darauf
bricht eine Schlägerei aus. Sie fangen an, sich ernsthaft
Sorgen zu machen. Als sich dann noch einige übergeben
müssen, möchten Sie am liebsten sofort Ihren Monitor
ausschalten. Sie wünschen sich, diesem Treiben ein Ende
setzen zu können. Doch dann denken Sie an vergiftete
Getränke und bedauern die Jungs für deren schrecklichen
Abend. Dieser Gedanke verschwindet, als sich in den
darauffolgenden Wochen vermehrt ähnliche Szenarien
abspielen. Alle scheinbar freiwillig.
Sie verstehen die Erdlinge
nicht mehr, sind verwirrt und vor allem zweifeln Sie an
Ihrem „Schützling“. Warum macht er so etwas? Warum benutzt
er andauernd seinen Rachen als Ofen? Warum nimmt er
freiwillig Brechmittel zu sich? Und warum gibt er fast
sein gesamtes Taschengeld für solche Dinge aus?
Immer wenn Ihnen diese
Fragen durch den Kopf gehen, schauen Sie auf den anderen
Monitor. Mit Stolz betrachten Sie Ihren weiblichen
„Schützling“. Ihr geht es prächtig, sie ist äußerst
unternehmungslustig, freut sich des Lebens und ist
mittlerweile zu einer jungen Dame herangewachsen. Kleine
Stangen und vergiftete Getränke spielen in ihrem Leben
keine Rolle.