Amphetamin wird umgangssprachlich auch als "Speed" oder
"Pep" bezeichnet. Als "Weckamine" (veraltet; hergeleitet
von 'Amine
mit aufweckender Wirkung') bezeichnet man Amphetamin und
seine
Derivate, welche die gleichen oder ähnliche Wirkungen
haben. Der Name Amphetamin ist dabei eine Zusammenziehung
der veralteten chemischen Bezeichnung Alpha-Methylphenethylamin.
In der Industrie wird Amphetamin meist durch
Kondensation von
1-Phenyl-2-Propanon (Phenylaceton) mit
Ammoniak und anschließender
Reduktion gewonnen. Oft erfolgt danach noch eine
Trennung der
Isomere, mit dem Ziel das für die gewünschten
Hauptwirkungen verantwortliche dextro-Amphetamin als
Reinstoff zu erhalten. In den
USA
lag die von der
DEA
genehmigte Produktionsmenge im Jahr 2000 bei 15.000kg,
entsprechend 500.000.000 Einzeldosen zu 30mg.
In der illegalen Produktion wird Amphetamin meist durch
Reduktion von
Norephedrin (Phenylpropanolamin) mit
Jod
und rotem
Phosphor oder aus P2P gewonnen. Siehe auch
Methamphetamin. Konnte Amphetamin früher auch von
Privatleuten relativ ungehindert aus Vorstufen wie
Phenylaceton und
Methylamin synthetisiert werden, wurden diese
Chemikalien zunehmend von den Behörden beobachtet, und es
entstand für illegal arbeitende Produzenten ein Bedarf an
Ersatzstoffen die nicht überwacht wurden. So wurden später
Phenylessigsäure, diverse
Benzaldehyde usw. nach und nach in die illegale
Produktion einbezogen. Seit Jahrzehnten gibt es immer neue
Anweisungen für Herstellungsmöglichkeiten von Amphetamin,
die Stoffe benutzen, die noch nicht verdächtig sind. Auch
auf diese Herstellungswege werden die Behörden
schliesslich aufmerksam und der Kreislauf setzt sich fort.
OTC-Methoden (Over-The-Counter, engl. für "Über-die-(Laden)theke"
was etwa "frei erhältlich" bedeutet) verbreiten sich daher
zunehmend. Die Bezeichnung steht für die Gewinnung von
benötigten Vorläuferstoffen aus Medikamenten oder anderen
frei verfügbaren Waren (Reiniger, Autozubehör), deren
Abgabe anders als bei Chemikalien nicht wirklich
reglementierbar ist. So kann aus manchen in den USA frei
erhältlichen Diätmitteln Norephedrin extrahiert werden,
welches dann der illegalen Amphetaminproduktion dient.
Illegal produziertes Amphetamin wird meist ohne die in
pharmazeutischen Laboren herrschende Sorgfalt und
Sauberkeit hergestellt, so dass es giftige Beisubstanzen
enthalten kann. Durch die nicht fachgerechte Entsorgung
von bei der Herstellung anfallenden Chemikalien, kann auch
die Natur in Mitleidenschaft gezogen werden.
Wirkung
Amphetamin ist ein sogenanntes
Sympathomimetikum, d.h. es wirkt stimulierend auf den
Sympathikus ein. Konkret bewirkt Amphetamin im Gehirn
die Ausschüttung von
Adrenalin,
Noradrenalin und
Dopamin, der Körper wird in einen Zustand versetzt,
der englisch als "Fight-Fright-Flight" (Kämpfen, Fürchten,
Flüchten) bezeichnet wird und in lebensbedrohlichen Lagen
sinnvoll ist. Dabei werden jegliche körperliche
Bedürfnisse, die nicht unmittelbar notwendig sind, wie
Hunger, Durst, Müdigkeit, Schmerzen, etc. mehr oder
weniger ausgeschaltet (durch Adrenalin/Noradrenalin), um
den Menschen möglichst effizient reagieren zu lassen.
Ausserdem wird das Selbstbewusstsein gesteigert (durch
Dopamin) und die Aggresionsschwelle gesenkt um eine
körperliche Verteidigung gegen die Gefahr zu ermöglichen.
Ebenfalls wird das Bewusstsein stark auf ein bestimmtes
Ereignis (ursprünglich die Gefahr) forciert (Tunnelblick).
Körperlich richtet der Mensch sich auf die zu erwartende
hohe Belastung u.a. durch Steigerung des Blutdrucks und
Weitung der
Bronchien (zur vermehrten Aufnahme von
Sauerstoff) ein.
Löst man diese Reaktion des Körpers nun künstlich durch
Amphetamin aus, so ergeben sich verschiedene
Anwendungsmöglichkeiten. Zum einen die Appetithemmung,
noch heute werden verschiedenen
Amphetaminderivate als Diätmittel genutzt. Die
Ausschaltung des Schlafbedürfnisses wird gerne (miss)braucht
um Nächte durchzumachen. Die Steigerung des
Selbstbewusstseins ist der Hauptgrund des Einsatzes von
Amphetamin als Rauschmittel. Und die Forcierung des
Bewusstseins auf bestimmte Aufgaben schliesslich macht
sich die Medizin beim Einsatz von Amphetamin bei
Hyperaktivität zu Nutze, da sich unkonzentrierte Menschen
dann lange auf eine Aufgabe konzentrieren können.
Zusammenfassend kann man folgende Hauptwirkungen
aufführen:
Hemmung von Hunger
Mobilisierung der Kraftreserven und Verringerung des
Schlafbedürfnisses
Steigerung des Selbstbewusstseins bis zur Euphorie
erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentration (bei hohen
Dosen überdecken die anderen Wirkungen diese, so dass
eher Bewegungsdrang bis zur Nervösität bleibt)
Es existieren dabei zwei
Isomere des Amphetamin, von denen das Dextroisomer
(d-Amphetamin) vor allem für die Hauptwirkungen wie
Stimulation, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit,
Appetithemmung oder erhöhtes Selbstbewusstsein
verantwortlich ist, während das Levoisomer (l-Amphetamin)
eher die rein körperlichen, peripheren Wirkungen wie
erweiterte Pupillen, Mundtrockenheit, vermehrte
Schweissbildung u.a. hervorruft. Manche
Amphetaminpräparate wie Dexedrin® enthalten daher nur das
Dextrosisomer, was eine "sauberere" Wirkung zur Folge hat.
Allgemein handelt es sich bei Amphetamin (sowohl aus
legaler wie illegaler Produktion) sonst immer um das
Racemat, einer Mischung aus 50% d-Amphetamin und 50%
l-Amphetamin, so dass 100%ige d-Amphetamin-Präparate wie
Dexedrin nur halb so hoch dosiert werden müssen. Da dieser
Unterschied in der Wirkung der Isomere bei fast allen
Amphetaminen auftritt, ist in den USA beispielsweise ein
Inhalator mit l-Methamphetamin frei erhältlich - anders
als Methamphetamin selbst (bestehend aus 50%
d-Methamphetamin u. 50% l-Methamphetamin) ruft dieses
nämlich nur ein Abschwellen der Schleimhäute hervor.
Medizinischer Gebrauch
Lange Zeit wurde Amphetamin als
Bronchodilatator (Mittel zur Erweiterung der
Bronchien, wie es beispielsweise bei
Asthma oder
Atemwegserkrankungen zum Einsatz kommt) genutzt, die
stimulierende und konzentrationsfördernde Wirkung wurde
erst später für die Medizin entdeckt. Als Bronchodilatator
war Amphetamin lange Zeit rezeptfrei oder mit wenig
Problemen über den Arzt zu bekommen, in den USA war "Benzedrine",
ein amphetaminhaltiges Inhalationsmittel, bis in die
1960er Jahre rezeptfrei erhältlich. In dieser Zeit gab es
auch Kombipräparate die Amphetamin und ein starkes
Beruhigungsmittel gegen die Nebenwirkungen des
Amphetamins (verschiedene
Barbiturate) enthielten, eine Kombination die heute
als wenig sinnvoll angesehen wird, aber gerne und viel als
Mittel für gestresste Hausfrauen verschrieben wurden.
Mittlerweile gibt es in Deutschland kein
amphetaminhaltiges Fertigpräparat mehr (wobei es
theoretisch als BTM verschreibbar wäre), Methamphetamin
ist gar nicht mehr verschreibungsfähig, als Mittel gegen
Hyperaktivität(ADS) hat sich bei uns das weniger
missbrauchbare
Methylphenidat/Ritalin
durchgesetzt. In den USA dagegen ist Amphetamin (Adderall®)
seit Jahren auf dem Vormarsch und wird in stetig
steigender Zahl bei begründetem Verdacht auf ADS vor allem
an Schulkinder verschrieben.
Bei korrekter Anwendung von Amphetaminderivaten beim
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom unter
ärztlicher Aufsicht, sind keine Fälle von
Sucht bekannt. Zum einen sind die verschriebenen Dosen
wesentlich kleiner als beim Missbrauch, zum anderen fällt
in diesem Fall auch die euphorisierende Wirkung weg. Wobei
die relativ gute Verfügbarkeit (durch ärztliche
Verschreibung) unter Schülern dazu führt, dass Ritalin und
Adderall gerade an Highschools gerne "schwarz" gehandelt
werden.
Konsumformen
Amphetamine werden in Pillenform oder Pulver
konsumiert. Das Pulver wird durch die Nase aufgenommen,
"geschnupft" oder auch "gezogen", im allgemeinen mit einem
zu einem Ziehröhrchen geformten Geldschein oder einem
Metall-Ziehröhrchen. Im Vergleich zum
Kokain sind die Preise gering. Für Endverbraucher
kostet das Gramm ca. 10-15 Euro, wobei es sich dabei nicht
um den Reinstoff, sondern um ein Pulver mit etwa 8-30 %
Amphetamingehalt handelt. Amphetamin, das Konsumenten auch
als Speed, Peppen, Pep oder Schnelles bezeichnen, wird vor
allem in der
Techno-Szene zum Durchhalten während langer Nächte
konsumiert. Es macht wach, erzeugt eine leichte Euphorie
und bemächtigt einen zu stundenlangem Tanzen. Nach dem
Konsum kommt es zum sogenannten Upturn, einem Gefühl der
Nervösität und Abgespanntheit, der Körper fordert die
dringend benötigte Ruhe ein, aber das noch vorhandene
Amphetamin verhindert dieses. Aus diesem Grund ist es
verbreitet, sich mit
Cannabis "runterzurauchen". Teilweise werden auch
starke Schlafmittel (meist
Benzodiazepine wie Rohypnol®) eingenommen, um zur Ruhe
zu kommen. Gerade die Unterdrückung der Symptome durch
Benzodiazepine ist sehr gefährlich, da der Konsument in
einen Teufelskreis von Upper (Amphetamin) -> Downer (Benzod.)
-> Upper -> Downer ->... geraten kann, wobei jedes Mittel
jeweils die Nachwirkung des anderen bekämpfen soll.
Neben dem nasalen Konsum (schniefen) kann Amphetamin
auch oral (durch den Mund) konsumiert werden. Dieses ist
bei medizinischer Anwendung die gängige Darreichungsform.
Bei oralem Konsum tritt die Wirkung langsamer ein, es
kommt zu keinem Kick und die Wirkung hält insgesamt länger
an. Amphetamin hat oral eine eher gute
Bioverfügbarkeit, die Dosierung ist daher etwa
vergleichbar der nasalen. Ebenfalls möglich ist die
parenterale Aufnahme von Amphetamin, also die
Injektion. Diese Konsumform ist riskant und hat, zumal
medizinisch gesehen, keinen Vorteil gegenüber anderen
Aufnahmeformen. Bei der Injektion illegal produzierten
Amphetamins gelangen alle Streckmittel ungefiltert ins
Blut, was sehr schnell zu Entzündungen führen kann.
Anders als beim
Methamphetamin (Crystal) ist es nicht möglich,
Amphetamin zu rauchen. Der Grund dafür ist, dass das auf
dem
Schwarzmarkt am häufigsten auftretende
Amphetaminsalz, das Amphetaminsulfat einen so hohen
Siedepunkt hat (und zum Rauchen muss die Substanz ja
verdampfen), dass sie sich vorher zersetzen würde, also
zerstört werden würde. Theoretisch rauchbar ist die
Amphetaminbase, die einen deutlich niedrigeren
Siedepunkt hat, allerdings ist diese, wie bei fast allen
Amphetaminderivaten auch (und im Gegensatz zum Beispiel
zur kristallinen Kokainbase/Crack),
flüssig und in dieser Form so gut wie nie auf dem
Schwarzmarkt erhältlich. Es wird zwar teilweise mit festen
Streckmitteln gemischte Amphetaminbase als Speed verkauft
(bekannt als "Paste"), aber auch dieses Gemisch ist
aufgrund eben der Streckmittel nicht rauchbar, da diese
verbrennen und verklumpen würden.
Speed, Pep
Gängige Bezeichnungen für Amphetamin sind Speed, Pep,
Rotze, Schnelles, Weiss, Helles sowie andere. Unter den
Synonymen Yaba, Crystal, Glass, Ice, Meth, Chili wird
meist das weitaus stärker wirksame
Methamphetamin verstanden. Zu beachten ist, dass ein
Gemisch das auf dem Schwarzmarkt als Speed verkauft wird,
nur zu einem kleineren Teil (meist 8-30 %) aus Amphetamin
besteht, der Rest sind
Streckmittel. Häufig auftretende Streckmittel sind
dabei
Coffein,
Lactose (Milchzucker),
Natron oder das
Antirheumatikum/NSAR
Paracetamol (Ben-u-ron®). Während sich der
Konsument in
Europa zumindest meist sicher sein kann, dass
wenigstens etwas Amphetamin im Speed enthalten ist, so
wird in den
USA
nicht selten
Ephedrin als Speed verkauft, was wohl an der guten
Verfügbarkeit dessen (Ephedrin ist dort rezeptfrei
erhältlich) liegen mag. Teilweise sind seltsame Varianten
mit Rosen- oder sonstigen Aromen versehen im Umlauf, was
"Marketinggründe" haben wird. Zusammenfassend kann gesagt
werden, dass Speed ein Gemisch von diversen
Substanzen mit einem unbekannten Amphetaminanteil
darstellt. Aufgrund dessen ist stets das Risiko einer
Überdosierung gegeben, sowie das der Unverträglichkeit von
Streckmitteln.
Risiken und Suchtgefahr
Kurzzeitige Folgen sind Unruhe, Angstzustände sowie
Schlaflosigkeit. Amphetamine können starke psychische
Abhängigkeit hervorrufen. Es besteht die Gefahr einer
Amphetaminpsychose.
Bei Dauerkonsum in nichtmedizinischer Dosierung kann
es zu Nervenschädigungen, schweren
Konzentrationsproblemen, Knochenschwund, Verlust des
Zahnschmelzes und weiteren Langzeitschäden kommen.
Da Amphetamin den Körper quasi auf "Notfallbetrieb"
schaltet, werden wichtige Signale wie Hunger, Durst,
Müdigkeit unterdrückt. Unverantwortliche Konsumente die
nicht trotzdem Pausen einlegen und Essen und (sehr
wichtig) Wasser zu sich nehmen, laugen sich so aus.
Anfälligkeit gegenüber Infekten, körperliche/geistige
Schwäche, etc sind die Folgen.
Wie bei allen illegal erworbenen Drogen weiß der
Konsument nie, woraus sich die Droge zusammensetzt, oft
sind
Koffein, neutrale Streckmittel wie Lactose oder auch
gefährlichere Substanzen enthalten.
Drugchecking (http://www.eve-rave.ch/drugs/testenlassen.htm)
hat deshalb eine wichtige Bedeutung zur
Schadensminderung.
Werden Amphetamine häufig geschnupft, kann es zu
einer Schädigung bis zur Auflösung der Nasenscheidewand
kommen, ähnlich wie beim Kokain.
Das Suchtrisiko hängt von genetischen Faktoren sowie
von der psychosozialen Situation der Person ab. Im
Tiermodell konnten manche Individuen ihren
Amphetaminkonsum lebenslang flexibel regulieren, bei 50
% trat nach einer gewissen Zeit aber eine Abhängigkeit
mit massiver Dosissteigerung auf, die auch nach
erzwungenem Entzug bestehen blieb (Galli und Wolffgramm,
Drug and Alcohol Dependence 73 (2004))
Zusammenfassend kann gesagt werden: Amphetamin in
Rauschdosierung führt schnell zu starker
Sucht und psychischer
Abhängigkeit, Konsumenten können sich so schwere
Schäden zuführen. In geringen Dosen unter ärztlicher
Aufsicht ist Amphetamin dagegen nach dem Stand der
Wissenschaft eher ungefährlich, es werden Studien
zufolge keine direkten körperlichen Schäden
hervorgerufen. Probleme entstehen indirekt durch
Nährstoff- und Schlafmangel, sowie potentiell
soziale Probleme durch Vernachlässigung
gesellschaftlicher Verpflichtungen (Schule, Beruf,
Beziehung). Bei hohen Dosierungen, häufigem Konsum oder
entsprechender Veranlagung besteht zudem das Risiko
einer
Psychose.